Tätigkeitsbericht 2020 über die Arbeit im Landesverband der Deutschen Diabetes – Hilfe, Menschen mit Diabetes NRW e.V.

 

2020 war ein ganz besonderes Jahr, welches uns durch die Corona Pandemie immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt hat. So konnte sich der Landesvorstand bedingt durch die Pandemie seit Februar nicht mehr persönlich treffen. Gerade in dieser Situation konnte der Vorstand aber beweisen, wie gut er funktioniert. So haben wir einen Großteil unserer Themen in Telefon- oder Videokonferenzen besprochen und gelöst. Trotz aller Widrigkeiten haben wir auch in 2020 vieles für die Betroffenen bewegen können.

 

Leider ist die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, sich ehrenamtlich zu engagieren, seit Jahren rückläufig. Auch die Bereitschaft zu einer Mitgliedschaft im Interessenverband hat durch den Einfluss der Informationsmöglichkeiten über die sozialen Medien stark nachgelassen. Dabei ist die Interessenvertretung in der Politik und bei den Institutionen eine wichtige und nicht zu unterschätzende Aufgabe der Selbsthilfe.

 

Nur ein mitgliederstarker Verband ist in der Lage, berechtigte Forderungen auch mit Nachdruck einzufordern.

Als Einzelvertreter steht ein Interessenverband häufig auf verlorenem Posten. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir nur gemeinsam – Patientenverband und Akteure im Gesundheitswesen – ausreichend Einfluss nehmen können, um drängende Probleme in der Versorgung zu lösen. Defizite in der Ausbildung der Ärzte zum Krankheitsbild Diabetes, insbesondere der Fortbildung von Ärzten zum Diabetologen (DDG), lassen befürchten, dass eine gute Versorgung der Diabetiker für die Zukunft keinesfalls gesichert ist. Eine enge Zusammenarbeit / Kooperation mit diabetesDE, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) ist für den Landevorstand nach wie vor verpflichtend, um erfolgreich die Interessen der Diabetiker vertreten zu können. Unterstützt durch einen Fachbeirat, in dem Vertreter aller Bereiche der Versorgung vertreten sind, ist der Landesverband in der Lage, auch ganz spezielle Fragen der Mitglieder kompetent zu beantworten.

Der Landesverband NRW vertritt nicht nur die Interessen der Mitglieder, sondern die Interessen aller Diabetiker. Durch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen – Diabetes – Zentrum in Düsseldorf (DDZ) sind wir in der Lage, auch unsere Interessen in die Forschung mit einzubringen. Hier liegt ein Schwerpunkt in der Versorgungsforschung. Aber auch bei der Erforschung neuer Arznei- und Hilfsmittel sowie bei der Digitalisierung werden wir verstärkt darauf achten, dass die Interessen der Betroffenen ausreichend Berücksichtigung finden. Die Digitalisierung in der Versorgung nimmt enorm zu und stellt viele Diabetiker vor weitere Probleme. Zu den Problemen in der Versorgung und zum Krankheitsbild sind häufig sehr unterschiedliche Stellungnahmen und Informationen veröffentlicht, die nicht immer für die individuellen Probleme der Betroffenen zutreffend sind. Wir informieren neutral, unabhängig und umfassend.

Der Landesverband NRW des DDH-M e.V. hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, allen Anforderungen als Interessenverband gerecht zu werden. In Selbsthilfegruppen haben Betroffene die Möglichkeit, sich vor Ort über das Krankheitsbild und die Versorgung zu informieren. Die gute Zusammenarbeit mit diabetesDE und gemeinsame Aktionen mit den Fachverbänden (DDG und VDBD) haben dazu beigetragen, dass die Probleme der Diabetesversorgung auch in der Politik angekommen sind. Immer schneller werden Mitglieder über Veränderungen in der Versorgung informiert.

 

Erfolge der Zusammenarbeit:

Kampagne „Diabetes eine Stimme geben“

Gemeinsam mit diabetesDE wurde eine Bundesweite Kampagne mit Unterstützung prominenter Personen ins Leben gerufen. Hierbei gilt es, den Betroffenen mehr Gehör in der Gesellschaft, der Politik und bei Institutionen zu verschaffen. Aus allen Bereichen des diabetischen Bereiches gibt es Mitwirkende, welche in gemeinsamen Aktionen immer wieder neue Ideen entwickeln und umsetzen.

 

Bessere Versorgung von Diabetes Patienten in der Pflege

Dieses Thema war 2020 eines unserer Arbeitsschwerpunkte. Wir haben hierzu einen runden Tisch mit Vertretern aus Politik und Gesundheit im Gesundheitscampus Bochum durchgeführt, bei dem unter anderem Frau Gebhardt und Frau Lück von der SPD im Landtag NRW anwesend waren sowie Vertreterinnen der Uni Bochum. Claudia Lenden hat hier für uns die aktuelle Situation in der Pflege für Diabetiker noch einmal ausführlich erläutert. Auf dieser Grundlage wurde vereinbart, dass dieses neu ins Leben gerufene Gremium wieder zusammen kommen soll. Obwohl uns Präsenzveranstaltungen durch die aktuelle Situation nicht möglich waren, sind wir jedoch telefonisch in Kontakt geblieben.

 Des Weiteren gab es eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der einzelnen im Landtag vertretenen Parteien; hier waren unter anderem die MdLs Gebhardt, Lück, Neumann für die SPD Fraktion sowie Herr Mozifadeh von den Grünen anwesend. Diese wurde in Düsseldorf unter der Moderation von Herrn Dr. med. Schepers durchgeführt. Die hierbei beschlossene Fortsetzung konnte bislang durch die Pandemie noch nicht umgesetzt werden.

 

Regionale Initiative Diabetes NRW (RID)

Bereits 2013 hat sich in NRW eine Regionale – Initiative – Diabetes NRW gegründet. In dieser Gemeinschaft arbeiten die Deutsche Diabetes – Hilfe, Landesverband NRW (DDH-M NRW e.V.) , das Deutsche – Diabetes – Zentrum (DDZ), die diabetesDE – Deutsche Diabetes – Hilfe, die Pronova BKK, das Netzwerk diabetischer Fuß e.V., die Novo Nordisk Pharma GmbH, die Berufsverbände der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) sowie Westfalen – Lippe (BdSWL) und der Berufsverband niedergelassener Diabetologen (BVND) zusammen. Dabei soll über Defizite in der Versorgung beraten und Lösungsvorschläge hierzu entwickelt werden. Ein Erfolg der Arbeit der RID ist eine große Anfrage der SPD an die Landesregierung zur Versorgung der Diabetiker im Land NRW. Im Ergebnis wurde ein parlamentarischer Dialog mit gesundheitspolitischen Sprechern aller Fraktionen vereinbart und im Januar 2020 durchgeführt.

 

Regionales – Innovations – Netzwerk (RIN) Diabetes

In 2019 war es gelungen, die regionale Initiative Diabetes NRW als Verein zu Gründen. Die Deutsche Diabetes – Hilfe, Menschen mit Diabetes, Landesverband NRW e.V. war eines der Gründungsmitglieder. Für den DDH-M NRW e.V. sind Herr Joachim Kortheuer aus Grevenbroich als stellvertretender Vorsitzender und Herr Norbert Kuster aus Bocholt als Kuratoriumsmitglied tätig. Als ein erster Schwerpunkt wurde eine Arbeitsgruppe Psychodiabetes gegründet, in der von dem DDH-M NRW e.V. Frau Sabine Härter aus Aachen und Herr Norbert Kuster aus Bocholt tätig sind. Ziel dieses Gremiums ist es, Vorschläge zur Verbesserung der psychosomatischen Behandlung bei Diabetikern zu erarbeiten.

 

Diabetes Info – Mobil

Mit Hilfe des Diabetes – Info – Mobils, ein zu einem mobilen Labor mit Sofort- Diagnostik umgebauter Kleintransporter, klären wir die Menschen vor Ort über Diabetes auf und bieten ein Screening an. Durch einen Fragebogens wird ermittelt, welches Diabetesrisiko die Besucher haben. Bei einem hohen Risiko und / oder entsprechender Familienanamnese wird ein Blutzuckertest durchgeführt und der HbA1c-Wert bestimmt sowie Lipid Werte ermittelt. Seit 2014 verfügt der Landesverband über zwei gleichwertig ausgestattete Fahrzeuge. Ziel ist die frühzeitige Entdeckung einer unerkannten Diabetes – Erkrankung. Zugleich erhalten die Betroffenen Kontakte zu fachlichen Ansprechpartnern vor Ort.

 Im letzten Jahr wurde ein neues Info – Mobil angeschafft. Die Nachfrage nach einem Einsatz stieg vor der Corona Pandemie stetig an. In 2020 hat das Diabetes – Info Mobil insgesamt durch die Pandemie leider nur 11 Einätze fahren können, war aber schon für fast 100 Einsätze gebucht. Der Landesverband hofft, ausgefallene Termine nachholen zu können.

 

DIDS Programm

Seit Juli 2019 wir dieses Programm in Kooperation mit der AGPD (Arbeitsgemeinschaft Pädiatrischer Diabetologen), der IKK-Classik und der Unterstützung des Landesgesundheitsministeriums NRW durchgeführt. Ziel ist hierbei die bessere Versorgung von Kindern in Kitas und Schulen. Durch die finanzielle Unterstützung der IKK-Classik konnten wir einen Film erstellen lassen, welche Erzieher*innen, Lehrer*innen und sonstigem Personal Lust auf eine Schulung zum Thema Diabetes machen soll. Für letztes Jahr war schon eine große Pressekonferenz zu diesem Thema mit Herrn Landesgesundheitsminister Laumann vorgesehen, welche bedingt durch Corona leider entfallen musste und hoffentlich in 2021 nachgeholt werden kann. Das Ministerium hat für 2020 und 2021 jeweils 150.000 Euro für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Dieses Geld wird unter den Kooperationspartnern der AGPD und der DDH – M zugunsten dieses Projektes aufgeteilt.

 

Veranstaltungen:

Leider sind die meisten Veranstaltungen wegen der Corona – Pandemie entweder ganz abgesagt oder digital durchgeführt worden. Aber auch hier konnte sich der DDH – M LV NRW e.V. einbringen. So waren wir beim Diabetestag des DDZ eingebunden, hatten einen Part auf dem Weltdiabetestag und unsere Meinung war auch bei der Deutschen Welle gefragt.

 

Fazit: Der Patient im Mittelpunkt der Diabetologie

 

Forderungen der Selbsthilfe:

  • Diabetesbeauftragte in der Politik ( Länder / Bund)
  • Mitwirkungs- und Stimmrecht für die Selbsthilfe in den verschiedenen Entscheidungsgremien in der Versorgung (z.B. G-BA, Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenkassen und anderen)
  • Nachhaltige und umfassende Fördermaßnahmen – institutionalisiert durch einen „Diabetes-Selbsthilfe-Förderplan“ – zum Aufbau professioneller, flächendeckender Selbsthilfe – Strukturen. Zudem sind weitere Anreize für ehrenamtliches Engagement und die Mitgliedschaft in der Selbsthilfeorganisation zu schaffen (z.B. durch Bonuspunkte bei den Krankenkassen / Teilerstattung von Mitgliedsbeiträgen).
  • Bündelung der Selbsthilfe – Aktivitäten und – Verbände in einer bundesweiten Diabetes-Selbsthilfeorganisation, die professionell arbeiten kann und unter der Berücksichtigung der Lebenswelten der Betroffenen modern und zukunftsorientiert, d.h. auch digital, ausgerichtet ist. Regionale Untergliederungen müssen den dort gegebenen unterschiedlichen Interessen und Bestimmungen gerecht werden. Die Zusammenarbeit mit Fachverbänden (Ärzte/Berater u.a.) muss zur Stärkung des Mitgliederaufkommens beitragen.

 

Ehrenamtliches Engagement / Mitgliedschaft

Leider ist die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, sich einer Selbsthilfegruppe oder dem Interessenverband anzuschließen, weiterhin rückläufig. Das erschwert den ehrenamtlichen tätigen Mitarbeitern, die Interessen der Diabetiker in der Politik und in den Gremien wirkungsvoll zu vertreten. Es sind daher verstärkte Anstrengungen erforderlich, um die Betroffenen zu erreichen. Dementsprechend wurden auch die Mitarbeiter – Fortbildungen gestaltet.

Der Landesverband NRW der DDH-M wird zu diesem Thema in 2021 gezielte Aktionen druchführen.

 

Interessenvertretung

Eine weitere, sehr wichtige Aufgabe auf Landesebene ist die Interessenvertretung bei der Gesetzgebung und den Institutionen, die über die Versorgung der Diabetiker im Lande entscheiden. Damit der Landesverband effektiv arbeiten und die berechtigten Ansprüche der betroffenen wirkungsvoll einfordern kann, ist es erforderlich, dass eine große Anzahl Mitglieder dem verband den Rücken stärkt. Mitgliederschwache Verbände haben kaum eine Chance, Ansprüche erfolgreich einzufordern.

Viele Projekte, Veranstaltungen und Aktivitäten könnten ohne Fördergelder und Spenden nicht durchgeführt werden. Der Landesverband NRW der DDH–M ist daher allen Förderern, die ihn im Jahr 2020 unterstützt haben, sehr dankbar.

 

Folgende Unterstützung haben wir im Jahre 2020 erhalten: 

  • Pauschalförderung Teil 1                                      57.000,00 Euro
  • Pauschalförderung Teil 2                                      13.731,90 Euro
  • Projektförderung                                                 22.840,52 Euro
  • Unterstützung und Spenden                                 19.456,00 Euro
  • Förderbeiträge                                                    26.800,00 Euro
  • Zweckgebundene Spende Projekt DIDS                 17.090,00 Euro

Gesamtsumme:                                                        156.918,42 Euro

 

Fazit:

Auch im Jahre 2020 konnte der Landesverband NRW trotz der Corona – Pandemie viele Projekte begleiten oder neue einrichten. Mit vereinten Kräften haben wir es geschafft, uns Gehör sowohl in der Politik als auch bei den Institutionen und Verbänden zu schaffen.

Wir leisten unsere Arbeit ehrenamtlich. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und alle (ehrenamtlichen ) Mitarbeiter*innen sich in diesem Sinne auf den Weg machen, dient es dem Wirken des Landesverbandes zum Wohle der Betroffenen und der gegenseitigen Unterstützung aller im Verband ehrenamtlich Aktiven. Der Landesvorstand bedankt sich daher für die im Jahre 2020 geleistete gute Zusammenarbeit und das ihm entgegengebrachte Vertrauen.

Duisburg, im Januar 2021

Gez. Norbert Kuster

Landesvorsitzender