Tätigkeitsbericht 2017

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Tätigkeitsbericht und Transparenz der Arbeit im Landesverband NRW e.V. der DDH-M 2017
 
In den letzten Jahren ist die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, sich ehrenamtlich zu engagieren, erheblich zurückgegangen. Auch die Bereitschaft zu einer Mitgliedschaft im Interessenverband hat durch die Informationsmöglichkeiten über die neuen Medien stark nachgelassen. Dabei ist die Interessenvertretung in der Politik und bei den Institutionen eine wichtige und nicht zu unterschätzende Aufgabe der Selbsthilfe. Nur ein mitgliederstarker Verband ist in der Lage, berechtigte Forderungen auch mit Nachdruck einzufordern.
 
Als Einzelkämpfer steht ein Interessenverband häufig auf verlorenem Posten. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir nur gemeinsam – Patientenverband und Akteure im Gesundheitswesen – ausreichend Einfluss nehmen können, um drängende Probleme in der Versorgung zu lösen. Defizite in der Ausbildung der Ärzte zum Krankheitsbild Diabetes, insbesondere der Fortbildung von Ärzten zum Diabetologen DDG, lassen befürchten, dass eine gute Versorgung der Diabetiker für die Zukunft keinesfalls gesichert ist. Eine enge Zusammenarbeit/Kooperation mit der Dachorganisation (diabetesDE), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) ist für den Landesvorstand  verpflichtend, um erfolgreich die Interessen der Diabetiker vertreten zu können. Unterstützt durch einen Fachbeirat, in dem Vertreter aller Bereiche der Versorgung vertreten sind, ist der Landesverband in der Lage, auch ganz spezielle Fragen der Mitglieder kompetent zu beantworten.
 
Der Landesverband NRW vertritt nicht nur die Interessen der Mitglieder, sondern die Interessen aller Diabetiker. Durch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf sind wir in der Lage, auch unsere Interessen in der Forschung einzubringen. Hier liegt ein Schwerpunkt in der Versorgungsforschung. Aber auch bei der Forschung neuer Arznei- und Hilfsmittel sowie bei der Digitalisierung werden wir verstärkt darauf achten, dass die Interessen der Betroffenen ausreichend Berücksichtigung finden. Die Digitalisierung in der Versorgung nimmt enorm zu und stellt viele Diabetiker vor weitere Probleme. Zu den Problemen in der Versorgung und zum Krankheitsbild sind häufig sehr unterschiedliche Stellungnahmen und Informationen veröffentlicht, die nicht immer für die individuellen Probleme der Betroffenen zutreffend sind. Wir informierten neutral, unabhängig und umfassend.
 
Der Landesverband NRW des DDH-M e. V. hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, allen Anforderungen als Interessenverband gerecht zu werden. In Selbsthilfegruppen haben Betroffene die Möglichkeit, sich vor Ort über das Krankheitsbild und die Versorgung zu informieren. Die gute Zusammenarbeit mit der Dachorganisation (diabetesDE) und gemeinsame Aktionen mit den Fachverbänden (DDG und VDBD) haben dazu beigetragen, dass die Probleme der Diabetikerversorgung auch in der Politik angekommen sind. Immer schneller werden Mitglieder über Veränderungen in der Versorgung informiert.

Erfolge der Zusammenarbeit
 
Kampagne „Diabetes stoppen – jetzt!“
 
Gemeinsam mit der Dachorganisation diabetesDE wurde die bundesweite Kampagne „Diabetes stoppen – jetzt!“ weiterhin erfolgreich fortgeführt. Die Hauptforderungen an die Politik sind:
 

  • Bestmögliche Versorgung sichern
  • Gesunden Lebensstil fördern
  • Selbsthilfe stärken

 
Damit die Ziele auch erreicht werden können, fordern wir einen „Nationalen Diabetesplan“, den es inzwischen schon in 20 europäischen Ländern gibt. Die Kampagne 2017 stand ganz im Zeichen der Bundestagswahlen. Ziel der Kampagne war, die Forderung nach einem Nationalen Diabetesplan sollte in die Koalitionsvereinbarung aufgenommen werden.

Regionale Initiative Diabetes NRW

Bereits 2013 hat sich in NRW eine Regionale Initiative Diabetes NRW gegründet, in der, Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes, Landesverband NRW e.V. (DDH-M), Deutsches Diabetes Zentrum (DDZ), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe,  pronova BKK, Netzwerk Diabetischer Fuß e.V., Novo Nordisk Pharma GmbH, Berufsverbände der  diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) und Westfalen-Lippe (BdSWL),  Berufsverband niedergelassener Diabetologen (BVND), über Defizite in der Versorgung beraten und Lösungsvorschläge erarbeitet wollen.
                                                                                                                                                                
Nach dem ersten sogenannten Parlamentarischen Frühstück Ende 2013 haben verschiedene Gespräche mit dem Ministerium in den Folgejahren mit weiteren Parlamentarischen Frühstücken und einem Aktionstag zum Thema Diabetes und Bewegung im Landtag stattgefunden. Eine besondere Aktion war in Wahljahr der Wahlcheck 2017 NRW. Hierbei wurden Politiker aller Parteien im Landtag gebeten, ihre Position zur Diabetesprävention und -versorgung der Diabetiker zu beantworten.
Diabetes-Info-Mobil
 
Das Diabetes-Info-Mobil, ein zu einem mobilen Labor mit Sofort-Diagnostik umgebauter Kleintransporter, klärt die Menschen vor Ort über Diabetes auf und bietet ein Screening an. Mithilfe eines Fragebogens wird ermittelt, welches Diabetes-Risiko die Besucher haben. Bei hohem Risiko und / oder entsprechender Familienanamnese wird ein Blutzuckertest durchgeführt und der HbA1c-Wert bestimmt sowie Lipid-Werte ermittelt. Seit 2014 verfügt der Landesverband über zwei gleichwertig ausgestattete Fahrzeuge. Ziel ist die frühzeitige Entdeckung einer unerkannten Diabetes-Erkrankung, zugleich erhalten die Betroffenen Kontakte zu fachlichen Ansprechpartnern vor Ort.
 
Im Jahr 2017 war das Mobil 68 im Einsatz. Insgesamt wurden 1.993 Besucher untersucht bzw. beraten. Bei 279 Personen war Diabetes bekannt. Das durchschnittlich BMI lag bei 26,6. Bei 112 Personen, die noch keinen bekannten Diabetes hatten, wurden erhöhte Blutzuckerwerte (>140) festgestellt.
 
Projekt „Diabetes in der Schule“ (DidS)

Im zurückliegenden Jahr haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf und der IKK classic das Projekt „Diabetes in der Schule“ (DidS) fortgeführt. Im Rahmen von Fortbildungen werden Lehrkräfte durch eine Diabetesberaterin darauf vorbereitet, Schülerinnen und Schüler mit Diabetes im Unterricht und bei Klassenfahrt sachkundig zu unterstützen.
2017 haben in NRW, im Rahmen des Projekts „Diabetes in der Schule“, insgesamt 7 Termine verteilt auf 6 Städte stattgefunden. Von Mitte November bis Ende Dezember wurden die nachfolgenden Schulungen erfolgreich durchgeführt:
Moers 1.                                             13.11.17                 7 Teilnehmer
Recklinghausen                             14.11.17                 6 Teilnehmer
Unna                                                    16.11.17                 2 Teilnehmer
Moers 2.                                           22.11.17                 8 Teilnehmer
Coesfeld                                         05.12.17               15 Teilnehmer
Bielefeld                                             13.12.17               12 Teilnehmer
Paderborn                                         20.12.17               13 Teilnehmer
 
Gesamtteilnehmer 2017                                              63 Teilnehmer
 
Diadigital: Apps und mehr
 
Bei diesem Projekt geht es darum, auf dem unübersichtlich gewordenem Markt von Apps, die die Diabetestherapie unterstützen, Produkte zu ermitteln, die für die Betroffenen geeignet sind. Die Arbeitsgruppe war 2017 sehr aktiv.  
 
Das Prüfverfahren ist wie folgt strukturiert:

  1. Der App Hersteller bewirbt sich um das Siegel und füllt eine Selbstauskunft zu der App aus, jeweils eine für iOS und Android.
  2. Das Zentrum für Telematik und Telemedizin in Bochum ZTG nimmt eine technische Überprüfung vor und erstellt einen Bericht.
  3. Die Bewertung wird auf dieser Plattform eingestellt, die registrierten App Tester werden informiert und können Ihre individuelle Bewertung vornehmen.
  4. In einer Telefonkonferenz, an der alle Tester teilnehmen können, wird überprüft, ob die App alle wichtigen Kriterien erfüllt.

 

Die Ergebnisse der Tester werden in einem Fazit zusammengefasst. Die App wird mit der Selbstauskunft, dem Ergebnis der technischen Überprüfung und dem Fazit im Bereich „zertifizierte Apps“ veröffentlicht. Im Jahr 2017 wurden 6 Apps positiv bewertet.

Sollte eine App die Kriterien nicht erfüllen, so bekommt der Hersteller eine Rückmeldung und die Möglichkeit der Nachbesserung.
Veranstaltungen
 
Zusätzlich zu verschiedenen Diabetikertagen in den Regionen war der Landesverband NRW auf dem Diabetestag am 30.09.2017 in Düsseldorf mit dem Diabetes-Info-Mobil vertreten. Der Düsseldorfer Diabetes-Tag wurde traditionsgemäß in Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Düsseldorf und Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), der Handwerkskammer Düsseldorf und dem Landesverband NRW der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) durchgeführt. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Motto „Diabetes – Folgeerkrankungen vermeiden“. Zudem wurden Vorträge zu verschiedenen Themenkomplexen durch ausgewiesene Experten aus Düsseldorf und Umgebung ehrenamtlich bestritten.
 
 
Fazit: Der Patient im Mittelpunkt der Diabetologie
 
Forderungen der Selbsthilfe:
-              Diabetesbeauftragte in der Politik (Länder/Bund)
-              Mitwirkungs- und Stimmrecht für die Selbsthilfe in den verschiedenen Entscheidungsgremien in der Versorgung (z.B. G-BA, Kassenärztliche Vereinigungen (KVen), Krankenkassen u.a.)
-              Nachhaltige und umfassende Fördermaßnahmen – institutionalisiert durch einen „Diabetes-Selbsthilfe-Förderplan“ – zum Aufbau professioneller, flächendeckender Selbsthilfe-Strukturen. Zudem sind weitere Anreize für ehrenamtliches Engagement und die Mitgliedschaft in der Selbsthilfeorganisation zu schaffen (z.B. durch Bonuspunkte bei den Krankenkassen/Teilerstattung von Mitgliedsbeiträgen).
-              Bündelung der Selbsthilfe-Aktivitäten und -Verbände in einer bundesweiten Diabetes-Selbsthilfeorganisation, die professionell arbeiten kann und unter der Berücksichtigung der Lebenswelten Betroffener modern und zukunftsorientiert, d.h. auch digital, ausgerichtet ist. Regionale Untergliederungen müssen den dort gegebenen unterschiedlichen Interessen und Bestimmungen gerecht werden. Die Zusammenarbeit mit Fachverbänden (Ärzte/Berater u.a.) muss zur Stärkung des Mitgliederaufkommens beitragen.
 
Ehrenamtliches Engagement / Mitgliedschaft
 
Leider ist die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, sich einer Selbsthilfegruppe oder dem Interessenverband anzuschließen, rückläufig. Das erschwert den ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern, die Interessen der Diabetiker in der Politik und in den Gremien wirkungsvoll zu vertreten. Es sind daher verstärkte Anstrengungen erforderlich, um die Betroffenen zu erreichen. Dementsprechend wurden auch die Mitarbeiter-Fortbildungen gestaltet. Folgende Themen wurden u. a. bei den Fortbildungen 2017 behandelt:
 

  • Prüfen-Rufen-Drücken- Wiederbelebung kompakt
  • Diabetes und Demenz, eine besondere Herausforderung
  • Workshop „Mitglieder werben“
  • Die richtige Wundversorgung für Menschen mit Diabetes
  • CGM- und FGM-Geräte
  • Neudefinition des Begriffes Unterzuckerung
  • Magen- und Darmerkrankungen in Verbindung mit Diabetes
  • Diabetes mellitus und Hormone

 
Der Landesvorstand hat in der Strategietagung im September über den aktuellen Stand der Vorbereitung der im April 2018 geplanten Großveranstaltung „DIABETIKA 2018“ informiert. Eine Veranstaltung, bei der sich Patienten und Therapeuten auf Augenhöhe begegnen. Veranstalter ist die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (Landesverband NRW) in Kooperation mit den Diabetologischen Schwerpunktpraxen, den Hausarztverbänden, den Diabetesberaterinnen und den Apothekerverbänden.
 
Fazit und Ausblick

All diese Fortschritte wären vermutlich ohne die gute Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden und der Dachorganisation nicht so erfolgreich verlaufen. Dem Landesvorstand ist dennoch bewusst, dass in den kommenden Jahren verstärkt Anstrengungen unternommen werden müssen, Diabetiker zu überzeugen, Mitglied in ihrem Interessenverband zu werden, damit der Weg erfolgreich fortgeführt werden kann.
 
Es bedarf weiterhin erheblicher Anstrengungen, Mitgliedern und Betroffenen zu verdeutlichen, dass nur gemeinsam in einem mitgliederstarken Verband und in Zusammenarbeit mit den Fachorganisationen in der Versorgung Verbesserungen erreicht werden können. Damit der Landesverband NRW der DDH-M auch in Zukunft seinen Verpflichtungen gegenüber den Mitgliedern und den Betroffenen gerecht werden kann, ist er darauf angewiesen, mehr Mitglieder und Fördermitglieder auf Landesebene zu gewinnen.
 
„Wir sind auf einem guten Weg. Gehen Sie mit uns gemeinsam diesen Weg weiter, damit wir noch mehr Hindernisse ausräumen können!“
 
Als Mitglied haben Sie viele Vorteile!

Mitgliedsbeiträge seit dem 01.01.2014 unverändert sind:
 

  • 40,00 € Jahresbeitrag einschließlich der Mitgliederzeitschrift DDH-M aktuell (6 x pro Jahr)
  • 62,40 € Jahresbeitrag einschließlich DDH-M aktuell (6 x pro Jahr) und dem Diabetes-Journal (12 x pro Jahr) 
  • 20,00 € Jahresbeitrag einschließlich der Mitgliederzeitschrift DDH-M aktuell (6 x pro Jahr) für ALG II Empfänger (gegen entsprechenden Nachweis)
  • Familienmitgliedschaften sind kostenlos mit allen Vorteilen.

Interessenvertretung
 
Eine weitere, sehr wichtige Aufgabe auf Landesebene ist die Interessenvertretung bei der Gesetzgebung und den Institutionen, die über die Versorgung der Diabetiker im Lande entscheiden. Damit der Landesverband effektiv arbeiten und die berechtigten Ansprüche der Betroffenen wirkungsvoll einfordern kann, ist es erforderlich, dass eine große Anzahl Mitglieder dem Verband den Rücken stärkt. Mitgliederschwache Verbände haben kaum eine Chance, Ansprüche erfolgreich einzufordern.
 
Viele Projekte, Veranstaltungen und Aktivitäten könnten ohne Fördergelder und Spenden nicht  durchgeführt werden. Der Landesverband NRW der DDH-M ist daher allen Förderern, die ihn im Jahr 2017 unterstützt haben, sehr dankbar. Besondere Unterstützung erfolgte durch:
 

  • die Pauschalförderung der Krankenkassen            
51.000,00 € 
  • die Projektförderung der Krankenkassen   
30.870,00 € 
  • Förderung und Spenden 
34.479,00 €
 

 Zweckgebundene Spenden     
 

  • für das Projekt „Diabetesberatung auf Rädern“ und 
19.522,95 €  
  • für das Projekt „Diabetes in der Schule“     
14.397,75 €

Wir alle leisten unsere Arbeit ehrenamtlich. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und alle (ehrenamtlichen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich in diesem Sinne auf den Weg machen, dient es dem Wirken des Landesverbandes zum Wohle der Betroffenen und der gegenseitigen Unterstützung aller im Verband ehrenamtlich Aktiven. Der Landesvorstand bedankt sich daher für die im Jahr 2017 geleistete gute Zusammenarbeit und das ihm entgegengebrachte Vertrauen.
 
 
Duisburg, September 2018