Tätigkeitsbericht 2015

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Tätigkeitsbericht und Transparenz der Arbeit im Landesverband NRW e.V. der DDH-M 2015
 
Noch vor wenigen Jahrzehnten bestand die Hauptaufgabe der Selbsthilfe im Erfahrungsaustausch und der Beratung im Umgang mit der Erkrankung im Alltag. In den letzten Jahren sind jedoch immer häufiger Fragen zur Versorgung mit innovativen Medikamenten und neuen Hilfsmitteln wie beispielsweise CGM- und FGM-Systeme in den Mittelpunkt der Beratungsgespräche getreten. Zusätzlich kommen immer häufiger soziale Themen in den Fokus der Selbsthilfearbeit. Zudem hat sich auch die Medienlandschaft enorm gewandelt. Zu Problemen in der Versorgung und zum Krankheitsbild sind häufig sehr unterschiedliche Stellungnahmen und Informationen veröffentlicht, die nicht immer für die individuellen Probleme der Betroffenen zutreffend sind. Selbsthilfe informiert neutral, unabhängig und umfassend.
 
Viele Anstrengungen von Verbänden und Personen in der Vergangenheit sind ohne den erhofften Erfolg geblieben. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir nur gemeinsam – Patientenverband und Akteure im Gesundheitswesen – ausreichend Einfluss nehmen können, um drängende Probleme in der Versorgung zu lösen. Defizite in der Ausbildung der Ärzte lassen befürchten, dass eine gute Versorgung der Diabetiker für die Zukunft keinesfalls gesichert ist.
 
Der Landesverband NRW des DDH-M e. V. hat im vergangenen Jahr große Anstrengungen unternommen, allen Anforderungen als Interessenverband gerecht zu werden. In Selbsthilfegruppen haben Betroffene die Möglichkeit, sich vor Ort über das Krankheitsbild und die Versorgung zu informieren. Die gute Zusammenarbeit mit der Dachorganisation (diabetesDE) und gemeinsame Aktionen mit den Fachverbänden (DDG und VDBD) haben dazu beigetragen, dass die Probleme der Diabetikerversorgung auch in der Politik angekommen sind. Immer schneller werden Mitglieder über Veränderungen in der Versorgung zeitnah informiert.
 
 
Erfolge der Zusammenarbeit
 
Kampagne „Diabetes stoppen – jetzt!“
Gemeinsam mit der Dachorganisation diabetesDE wurde die bundesweite Kampagne „Diabetes stoppen – jetzt!“ durch- und fortgeführt. Schwerpunkt der Kampagne 2015 war eine Postkartenaktion, bei der Diabetiker und Interessierte ihre Forderung an die Politik formulieren und an den Bundesgesundheitsminister richten konnten. Der Landesverband NRW hat diese Kampagne tatkräftig unterstützt.

Regionale Initiative Diabetes NRW

In NRW hat sich ein Arbeitskreis aus Wissenschaftlern, Ärzten, Beratern, Therapeuten und Vertretern der Selbsthilfe zusammengefunden, der sich zum Ziel gesetzt hat, in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) die Versorgung der Diabetiker in NRW zu verbessern. Ziel der regionalen Initiative ist es, Defizite in der Versorgung aufzudecken und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
 
Nach dem ersten sogenannten Parlamentarischen Frühstück Ende 2013 haben verschiedene Gespräche mit dem Ministerium in den Jahren 2014 und 2015 mit einem weiteren Parlamentarischen Frühstück und einem Aktionstag zum Thema Diabetes und Bewegung im Landtag stattgefunden. Der Landtag wird auf Anregung der Regionalen Initiative Diabetes darüber hinaus einen „Gesundheitsbericht Diabetes“ erarbeiten. Mittelfristiges Ziel des Arbeitskreises ist es, einen „Runden Tisch“ mit politischen Vertretern einzurichten, der sich regelmäßig trifft und Lösungen für Defizite in der Versorgung erarbeitet.
Diabetes-Info-Mobil
 
Statistisch gesehen herrscht in Deutschland kein Ärztemangel. Doch die ärztliche Versorgung ist zwischen Stadt und Land unausgewogen. Während in den Städten die Erreichbarkeit auch von Fachärzten gut ist, benötigen viele Menschen in ländlichen Regionen teils Stunden, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln einen Diabetes-Arzt zu erreichen. Hier setzt der Landesverband mit dem Diabetes-Info-Mobil und im Rahmen des Projekts „Diabetesberatung auf Rädern“ an. Das Projekt wurde vom Landesverband NRW des DDH-M e. V. gemeinsam mit diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe im Jahr 2013 aufgesetzt. Das Diabetes-Info-Mobil, ein zu einem mobilen Labor mit Sofort-Diagnostik umgebauter Kleintransporter, fährt in ausgewählte Städte und ländliche Regionen, klärt die Menschen vor Ort über Diabetes auf und bietet ein Screening an. Mithilfe eines Fragebogens wird ermittelt, welches Diabetes-Risiko die Besucher haben. Bei hohem Risiko und / oder entsprechender Familienanamnese werden dann ein Blutzuckertest durchgeführt und HbA1c bestimmt sowie Lipid-Werte ermittelt. Seit 2014 verfügt der Landesverband über zwei gleichwertig ausgestattete Fahrzeuge. Ziel ist die frühzeitige Entdeckung einer unerkannten Diabetes-Erkrankung, zugleich erhalten die Betroffenen Kontakte zu fachlichen Ansprechpartnern vor Ort.
 
Zielgruppengerechtes Informationsmaterial zu Diabetes und die Beratung von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sind zusätzliche Services, die gerne in Anspruch genommen werden. Seit 2013 haben 1.771 Personen das „Diabetes-Info-Mobil“ besucht. Die Rate der Aufdeckung eines Diabetesverdachts schwankte in Abhängigkeit von Region und Zielgruppe zwischen fünf und 20 Prozent. Die Teilnehmer werden noch einmal nach drei bis fünf Tagen und ein zusätzlicher Teil der Teilnehmer darüber hinaus nach drei Monaten kontaktiert und befragt, ob sie die Empfehlungen der Diabetesberaterin umgesetzt haben. Durch umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit durch Ankündigung der Einsätze und der nachträglichen Berichterstattung wird auch im weiteren Umfeld der Einsatzorte das Krankheitsbild Diabetes thematisiert.
 
Projekt „Diabetes in der Schule“ (DidS)

Im zurückliegenden Jahr haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf und der IKK classic das Projekt „Diabetes in der Schule“ (DidS) fortgeführt. Es wurden Fortbildungen für LehrerInnen und ErzieherInnen in verschiedenen Städten in NRW durchgeführt. Im Jahr 2016 werden diese Fortbildungen in weiteren Städten in NRW und in anderen Bundesländern angeboten. Die Resonanz ist so positiv, dass der Landesverband NRW das Projekt auch in den kommenden Jahren fortführen wird.
 
Veranstaltungen
 
Zusätzlich zu verschiedenen Diabetikertagen in den Regionen war der Landesverband NRW auf der Diabetes-Messe in Münster mit dem Diabetes-Info-Mobil vertreten. Anlässlich des Weltdiabetestages fand in der Messe Düsseldorf die zentrale Großveranstaltung statt. Dort wurde auch die „Düsseldorfer Resolution“ vorgestellt. Ein Expertenteam hat Ziele formuliert und Maßnahmen beschrieben, die erforderlich sind, damit auch bis 2025 die Versorgung der Diabetiker in Deutschland gewährleistet werden kann.
 
Leider ist die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, sich einer Selbsthilfegruppe oder dem Interessenverband anzuschließen, sehr gering. Es sind daher verstärkte Anstrengungen erforderlich, um die Betroffenen zu erreichen. Dementsprechend wurden auch die Mitarbeiter-Fortbildungen gestaltet. Folgende Themen wurden u. a. bei den Fortbildungen 2015 behandelt:
 

  • Aufgaben und Unterstützung des Landesverbandes der Arbeit in den Selbsthilfegruppen
  • Bei welchen Veranstaltungen sollte der Landesverband eingebunden bzw. präsent sein
  • Aufgaben der StandbetreuerInnen
  • Aktuelles aus der Diabetikerversorgung
  • Schwerbehinderung / Führerschein / Berufswahl
  • Maßnahmen und Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung
  • CGM- und FGM-Messsysteme

 
Fazit und Ausblick

All diese Fortschritte wären vermutlich ohne die gute Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden und der Dachorganisation nicht so erfolgreich verlaufen. Dem Landesvorstand ist dennoch bewusst, dass in den kommenden Jahren verstärkt Anstrengungen unternommen werden müssen, Diabetiker zu überzeugen, Mitglied in ihrem Interessenverband zu werden, damit der Weg erfolgreich fortgeführt werden kann.
 
Noch immer sind viele Kritiker nicht überzeugt. Es bedarf weiterhin erheblicher Anstrengungen, Mitgliedern und Betroffenen zu verdeutlichen, dass nur gemeinsam in einem mitgliederstarken Verband und in Zusammenarbeit mit den Fachorganisationen in der Versorgung Verbesserungen erreicht werden können. Damit der Landesverband NRW der DDH-M auch in Zukunft seinen Verpflichtungen gegenüber den Mitgliedern und den Betroffenen gerecht werden kann, ist er darauf angewiesen, mehr Mitglieder und  Fördermitglieder auf Landesebene zu gewinnen.
 
„Wir sind auf einem guten Weg. Gehen Sie mit uns gemeinsam diesen Weg weiter, damit wir noch mehr Hindernisse ausräumen können!“
 

Wir können daher alle Betroffenen und alle, die uns in unserem Bemühen um eine bestmögliche Versorgung unterstützen möchten, bitten, uns durch eine Mitgliedschaft zu stärken, damit wir bei den Entscheidungen im Gesundheitswesen ausreichend Gehör finden.
 
Der Landesvorstand freut sich auch über jedes neue Mitglied, das dem Landesverband NRW beitritt. Hier können auch Sie sich an unserer Aktion „Mitglieder werben Mitglieder“ beteiligen. Für jedes neue Mitglied, das Sie gewinnen, erhalten Sie als Dankeschön 10,00 € überwiesen. Sprechen Sie daher gerne andere Teilnehmer Ihrer Selbsthilfegruppe, bekannte Diabetiker und Angehörige an. Zusätzlich nehmen sowohl Sie als auch das neue Mitglied an einer Tombola teil. Den entsprechenden Aufnahmeantrag finden Sie im Internet unter nrw.ddh-m.de oder über unsere Geschäftsstelle, Tel. 0203/60844-0.
 

Als Mitglied haben Sie viele Vorteile!

Mitgliedsbeiträge seit dem 01.01.2015 sind:
 

  • 40,00 € Jahresbeitrag einschließlich der Mitgliederzeitschrift DDH-M aktuell (6 x pro Jahr)
  • 62,40 € Jahresbeitrag einschließlich DDH-M aktuell (6 x pro Jahr) und dem Diabetes-Journal (12 x pro Jahr) 
  • 20,00 € Jahresbeitrag einschließlich der Mitgliederzeitschrift DDH-M aktuell (6 x pro Jahr) für ALG II Empfänger (gegen entsprechenden Nachweis)
  • Familienmitgliedschaften sind kostenlos mit einigen Vorteilen.

 
Viele Projekte, Veranstaltungen und Aktivitäten könnten ohne Fördergelder und Spenden nicht  durchgeführt werden. Der Landesverband NRW der DDH-M ist daher allen Förderern, die ihn im Jahr 2015 unterstützt haben, sehr dankbar. Besondere Unterstützung erfolgte durch:
 

  • die Pauschalförderung der Krankenkassen            
27.500.00 € 
  • die Projektförderung der Krankenkassen   
11.929,62 € 
  • Förderung und Spenden 
52.188,20 €

 Zweckgebundene Spenden     
 

  • für das Projekt „Diabetesberatung auf Rädern“ und 
 11.500,00 €  
  • für das Projekt „Diabetes in der Schule“     
14.900,00 €

Wir alle leisten unsere Arbeit ehrenamtlich. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und alle (ehrenamtlichen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich in diesem Sinne auf den Weg machen, dient es dem Wirken des Landesverbandes zum Wohle der Betroffenen und der gegenseitigen Unterstützung aller im Verband ehrenamtlich Aktiven. Der Landesvorstand bedankt sich daher für die im Jahr 2015 geleistete gute Zusammenarbeit und das ihm entgegengebrachte Vertrauen.
 
 
Duisburg, Januar 2016