Menopause und Diabetes

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Hypo oder Hitzewallung
 
In unserer Mitgliederzeitschrift DDH-M aktuell, Ausgaben 12/2015 und 1/2016 hat Frau Dr. med. Annette Preuß-Nowotny über das Thema „Menopause und Diabetes“ berichtet. Das Thema hat bei vielen Leserinnen weitere Fragen hervorgerufen. Die Autorin hat daher weitere Erklärungen im folgenden Beitrag auf unserer Internetseite zusammengestellt:
 
 
Die Behandlung mit Östrogenen (hormonelle Ersatztherapie) muss in jedem einzelnen Fall kritisch erwogen werden. Insbesondere in Verbindung mit unzureichender Blutzuckerkontrolle erhöht sie das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfälle und Lungenembolien bei ohnehin schon erhöhter Gefährdung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 
Andererseits hat sich gezeigt, dass der Einsatz von Östrogenen bei  vorzeitigem Beginn des Klimakteriums die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes verhindern kann und einen günstigen Einfluss auf die Blutzuckerkontrolle haben kann, weil die Frauen körperlich aktiver bleiben.
 
Lebensstil - Korrektur primär wichtig
 
Weitere klinische Studien sind notwendig, um entscheiden zu können, welche hormonelle Ersatztherapie vor allem in welcher Dosierung für welche Frauen und in welchem Alter einzusetzen sind, um den individuellen bestmöglichen Effekt zu erreichen. Bis dahin sollte nach wie vor Erstmaßnahme sein: Korrektur des Lebensstils und der klassischen Risikofaktoren.
 
Unproblematisch und sinnvoll kann aber eine lokale Östrogentherapie für die Scheide und den äußeren Urogenitalbereich sein, insbesondere, wenn häufig Entzündungen auftreten.  In der empfohlenen Dosierung sind die bereits genannten Risiken nicht zu befürchten.
 
Therapie- Auswirkungen begegnen - aber wie?
 
Die Zeit vor der Menopause, das endgültige Ende der Monatsblutungen und die Jahre danach erschweren die Einstellung des Diabetes gleichermaßen bei Typ 1 und Typ 2. Sowohl der Abfall als auch der zeitweise sprunghafte Anstieg der Östrogene wirkt sich auf die Insulinempfindlichkeit aus, und darüber hinaus sind Hitzewallungen und psychische Reaktionen nicht immer leicht von Blutzuckerentgleisungen zu unterscheiden. Mit dem Älterwerden der Eierstöcke wird auch ihr Ansprechen auf die von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) abgegebenen Steuerungshormone vermindert. Sie reagieren erst auf höhere Konzentrationen des Follikel-stimulierenden und Gelbkörper-aufbauenden Hormons. Die stark schwankenden Hormonspiegel bedingen immer wieder Anpassungen der Diabetestherapie.
 
Ursache für die Schwankungen sind einerseits erhöhte Östrogenspiegel mit verbesserter Insulinempfindlichkeit, andererseits hohe Gelbkörperhormone (Progesteron)-Spiegel mit gegenteiliger Wirkung. Diese Phänomene bereiten Frauen mit Typ-1-Diabetes zyklusabhängig immer wieder Schwierigkeiten. Häufigere Blutzuckermessungen sind erforderlich, um die angemessenen Therapieentscheidungen zu treffen. Diese schwierige  Phase dauert zwischen 5 und 10 Jahren.
 
Folgen neu entwickelten Übergewichts
 
In der gleichen Lebensphase zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr muss auch die tägliche Kalorienzufuhr um 40 - 50 Prozent zurückgenommen werden. Dies stellt häufig eine nicht leicht zu überwindende Hürde dar. Wird sie aber nicht genommen, besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung oder Verschlechterung von Stoffwechselerkrankungen. In vielen Fällen entwickelt sich über die bei Bauchfettsucht assoziierte  Insulinresistenz ein Diabetes mellitus Typ 2 oder eine Verschlechterung der diabetischen Stoffwechsellage bei bereits bekanntem Diabetes  (auch Frauen  mit Diab. mell. Typ 1 können zusätzlich Insulinresistenz entwickeln). Darüber hinaus kann eine Erhöhung der Blutfettspiegel die Folge sein und insgesamt ein erhöhtes Atherosklerose-Risiko mit erhöhter Erkrankungswahrscheinlichkeit und Sterblichkeit.
 
Was im einzelnen Gewichtszunahme in dieser Lebensphase verursacht, ist noch nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden neben der einschneidenden hormonellen Umstellung der allgemeine Alterungsprozess und Faktoren des Lebensstils. Sicher ist, dass die Östrogene einen appetitzügelnden Effekt haben, indem sie die appetitsteuernden Bereiche des Zwischenhirns zur Erhaltung einer ausgeglichenen Energiebilanz beeinflussen. Auch die in der Menopause nicht selten auftretende Schlaflosigkeit belastet besonders Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 durch Störung des Tagnachtrhythmus über Hormonspiegel, die als Gegenspieler des Insulins fungieren wie Wachstumshormon und Cortisol. Diese haben auch Einfluss auf Insulinresistenz und erhöhten Insulinbedarf.
 
Dr. med. Anette Preuß-Nowotny
Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Angiologie
Dr. med. Frank Demtröder, Ärztlicher Leiter
Zentrum für Endokrinologie, Diabetologie, Rheumatologie
Dr.Demtröder & Kollegen im Hansakontor und Klinikum Dortmund
Überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft
MVZ  Dr. Eberhard & Partner Dortmund
Silberstr. 22, 44137 Dortmund