Aktuelles

10. Düsseldorfer Diabetes-Tag - Neues Thema: Diabetes-Burnout

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Werner A. Scherbaum vom Universitätsklinikum Düsseldorf fand am 29. September 2012 zum zehnten Mal der Diabetes-Tag an bewährtem Standort in der Handwerkskammer Düsseldorf statt. Neu im Programm war das Thema Burnout, das besonderes Interesse bei den Besuchern fand.

Veranstalter waren das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), die Düsseldorfer Diabetes-Ärzte sowie die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) Landesverband NRW e. V.. Außer zu zahlreichen Vorträgen luden die Organisatoren der Veranstaltung zu einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Patienten fragen – Experten antworten“ ein. Podologinnen zeigten, was sachgemäße Fußpflege bedeutet.

Das Diabetes-Info-Mobil im Einsatz
Foto: DDH-M NRW / Breitbach

Auch das Diabetes-Info-Mobil des DDH-M Landesverbandes NRW war wieder zugegen und wurde rege frequentiert.

Diabetesberaterin Afra Schmidt vom DDH-M Landesverband NRW bot dort verschiedene Gesundheitschecks an.

 

 

Burnout – es kann jeden treffen

Vielen Besuchern war nicht bewusst, dass es einen „Diabetes-Burnout“ gibt. Wie eng die Verknüpfung zwischen dem Diabetes und dem „Zustand emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit“ - so die Definition des Burnout - ist, führte die Diabetologin Dr. Jolanda Schottenfeld-Naor in ihrem Vortrag aus. Menschen mit einem Burnout tragen ein erhöhtes Risiko in sich, einen Typ 2 – Diabetes zu entwickeln. Die durch den Dauerstress hervorgerufene Symptomatik mit ungesunder Ernährung, Bewegungsmangel, Infektanfälligkeit und Konzentrationsschwäche kann die Entstehung des Diabetes begünstigen. Auch Folgeerkrankungen wie beispielsweise Depression und Erektile Dysfunktion können auftreten.

Umgekehrt tragen viele Diabetiker vom Typ 1 und Typ 2 das Risiko in sich, zusätzlich einen Burnout zu bekommen, weil sie ihren Diabetes als einen chronischen Stress wahrnehmen. Ursächlich sind hier oft Empfindungen, die durch Ängste vor Folgeerkrankungen und Unterzuckerungen oder zu hohen Erwartungsdruck von außen, aber auch durch zu hoch gesteckte und unrealistische eigene Zielsetzungen in der Therapie oder mangelnde Unterstützung durch das Umfeld geprägt sind.

„Der Diabetes bestimmt nicht mein Leben“

Die Medizinerin rät, sich gegen diese Mechanismen zu wehren. Wenn dies nicht gelingt, kann der Burnout zum Therapieversagen führen und damit einen Teufelskreis in Gang setzen. Die Betroffenen sollten lernen, selbst gegen diesen empfundenen Stress anzugehen. Eines steht bei der Vermeidungsstrategie eines Burnouts an erster Stelle, so die Diabetologin: viel Information, Wissen und Schulung. Wichtig ist auch die soziale Kommunikation im Familien- und Freundeskreis, mit dem Diabetes-Team und in den Selbsthilfegruppen mit der Devise: „Der Diabetes bestimmt nicht mein Leben, sondern man selbst sollte über seinen Diabetes und sein Leben bestimmen.“

Ursula Breitbach




Änderung im Schwerbehindertenrecht

Der Gesetzgeber stellt Schwerbehinderten ein Bündel von Sonderrechten und Leistungen bereit, um ihre Chancen im Arbeitsleben zu verbessern oder Nachteile etwas auszugleichen. Bislang ist es so, dass aufgrund des Diabetes oftmals eine Schwerbehinderung anerkannt wird. Am 9.Juli 2010 hat der Bundesrat aber nun eine Änderung der maßgeblichen Versorgungsmedizin-Verordnung beschlossen, so dass künftig deutlich geänderte Kriterien zur Einstufung der Diabetes-Krankheit gelten werden.

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Kurzfassung der zweiten Änderungsverordnung mit Anmerkungen

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie regelhaft keine Hypoglykämie auslösen kann und die somit in der Lebensführung kaum beeinträchtigt sind, erleiden auch durch den Therapieaufwand keine Teilhabebeeinträchtigung, die die Feststellung eines GdS rechtfertigt. Der GdS beträgt 0.

Diät, Therapie mit Glukosidasehemmer; Biguaniden, Glitazone, DPP4-Inhibitoren, GLP-1-Analoga

„Eine gesunde Lebensführung -auch wenn zeitaufwändig realisiert wird- führt zu keiner Beeinträchtigung der Teilhabe an der Gesellschaft"(Sachverständigenbeirat BMAS)
 

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie eine Hypoglykämie auslösen kann und die durch Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden durch den Therapieaufwand eine signifikante Teilhabebeeinträchtigung. Der GdS beträgt 20.

Therapie mit Sulfonylharnstoffen, Gliniden und 1-2 ergänzenden Insulingaben ohne mindesten 1 mal am Tag erforderliche dokumentierte Blutzuckermessung; BSG 4/2008:"Es ist nicht ersichtlich, inwiefern insbesondere eine einzige Insulininjektion am Tag für sich genommen eine nennenswerte (zusätzliche) Teilhabebeeinträchtigung darstellt".

Generell bei mit Insulin behandeltem Typ 2 Diabetes ohne nachgewiesene mind. l mal tägliche Blutzuckermessung

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie eine Hypoglykämie auslösen kann, die mindestens einmal täglich eine dokumentierte Überprüfung des Blutzuckers selbst durchführen müssen und durch weitere Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden je nach Ausmaß desTherapieaufwands und der Güte der Stoffwechseleinstellung eine stärkereTeilhabebeeinträchtigung. Der GdS beträgt 30-40.

Sulfonylharnstofftherapie oder Analogagabe bzw ergänzende 1-2 malige Gabe von Langzeitinsulin, wenn auch über die Einstellphase hinaus eine so ausgeprägte Hypoglykämiegefährdung besteht, dass mind. 1 mal am Tag eine dokumentierte Blutzuckerkontrolle erforderlich ist -- GdB 30

Mehrfache Blutzuckermessungen und Insulininjektionen pro Tag, aber ohne ständige Anpassung der Insulindosierung

Auch bei gesichertem Typ 1-Diabetes, wenn die Voraussetzungen für GdB 50 nicht nachgewiesen sind (keine Dokumentierung einer gravierenden Teilhabebeeinträchtigung durch ständige Anpassung der Insulineinheiten und Einschnitte in der Lebensführung

Die an Diabetes Erkrankten, die eine Insulintherapie mit täglich mindestens vier Insulininjektionen durchführen, wobei die Insulindosis in Abhängigkeit vom aktuellen Blutzucker, der folgenden Mahlzeit und der körperlichen Belastung selbstständig variiert werden muss, und durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden aufgrund dieses Therapieaufwands eine ausgeprägte Teilhabebeeinträchtigung. Die Blutzuckerselbstmessungen und Insulindosen (bzw. Insulingaben über die Insulinpumpe) müssen dokumentiert werden. Der GdS beträgt 50.

„ Einschnitte in der Lebensführung zeigen sich zum Beispiel bei der Planung des Tagesablaufs, der Gestaltung der Freizeit, der Zubereitung der Mahlzeiten der Berufsausübung und der Mobilität (BMAS)

Es ist nicht erforderlich, dass alle Insulindosen variiert werden. Es genügt zum Beispiel, wenn die rasch wirksamen Insulindosen selbstständig angepasst werden müssen.

Es genügt, wenn der Therapieaufwand beziehungsweise die Teilhabebeeinträchtigung in anhaltend ausgeprägtem Ausmaß über einen relevanten Zeitraum dokumentiert ist. Es ist nicht erforderlich, dass der Therapieaufwand im einzelnen ständig nachgewiesen wird.

Es kommt auch ein GdB von 50 in Betracht, wenn eine ausgeprägte Teilhabebeeinträchtigung zwar nicht durch dokumentierte Anpassung der Insulindosen, aber durch rezidivierende ausgeprägte Hypoglykämien nachgewiesen ist.

 • Zu dieser Gruppe gehören in der Regel an Typ 1 Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche, bei denen das Merkzeichen H bis zur Vollendung des 16.Lebensjahrs stets festzustellen ist. Danach ist das Vorliegen von H als Einzelfallentscheidung zu prüfen.

Außergewöhnlich schwer regulierbare Stoffwechsellagen können jeweils höhere GdS-Werte bedingen.

 

Geänderte Versorgungsmedizin-Verordnung

Seit dem 09.Juli.2010 gelten neue Kriterien bei der Bewertung der chwerbehinderteneigenschaft für Diabetiker. Über die Auswirkungen der Änderung er Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung für Diabetiker sind sehr nterschiedliche Stellungnahmen und Meinungen veröffentlicht worden, die bei vielen Diabetikern zur Verunsicherung geführt haben. Nach der neuen geänderten Bewertung der Schwerbehinderteneigenschaft ist nachfolgende Einstufung vorgesehen:

Neue Regelung:

Die Teilhabestörung wurde aber, entsprechend den Vorgaben des BSG, auf den Aufwand, den Menschen mit Diabetes betreiben müssen, abgestellt

Die Einschränkungen der Teilhabe sind aber sehr wohl mit entsprechenden Protokollen zu belegen. Hierbei hat es sich bewährt, die in der Verordnung aufgeführten Einschnitte in der Lebensführung, z. B. bei der Planung des Tagesablaufs, der Gestaltung der Freizeit, der Zubereitung der Mahlzeiten, der Berufsausübung und der Mobilität einzeln zu erläutern und dies, durchaus in Tabellenform, mit dem regelmäßigen täglichen Zeitaufwand und zusätzlich mit dem unregelmäßig anfallenden Zeitaufwand (z. B. bei sportlicher Betätigung) darzustellen. Dabei sollten die einzelnen Schritte, die zum Therapieaufwand hinzuzuzählen sind, konkret benannt werden und nicht allgemeine Statements in den Antrag hineinkopiert werden, die keinen Bezug zur persönlichen Situation erkennen lassen.

Sollte ein Antrag auf Anerkennung der Schwerbehinderteneigenschaft mit einem geringeren Grad der Schwerbehinderung (GdS) beschieden werden, bittet der DDH-M Landesverband NRW e. V. darum, ihm dies schriftlich mitzuteilen. Der Landesverband NRW e. V. der DDH-M wird sich dann verstärkt über die Arbeitsgruppe Diabetes im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) dafür einsetzen, dass die neuen Bewertungskriterien in der Praxis auch Anwendung finden.

Ihre Mitteilung senden Sie an:

Deutsche Diabetes-Hilfe
- Menschen mit Diabetes -
Landesverband NRW e. V.
Johanniterstr. 45
47053 Duisburg

 




Retinopathie-Vorsorge: keine IGeL-Leistung

Menschen, die keinen Diabetes haben, müssen eine Untersuchung des Augenhintergrundes in
der Regel selbst bezahlen. Es handelt sich dabei um eine so genannte IGeL – Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung).

Für Diabetiker jedoch gilt, dass die Untersuchung des Augenhintergrundes in regelmäßigen Abständen
zum Ausschluss der möglichen Augenerkrankung Retinopathie über die Krankenkassen
abgerechnet wird. Uns sind mehrfach Fälle bekannt geworden, in denen Augenärzte diese Untersuchung bei
Menschen mit Diabetes als IGeL - Leistung abgerechnet und diese Patienten somit privat zur
Kasse gebeten haben. Wir raten den Betroffenen, sich nicht darauf einzulassen und sich
gegebenenfalls direkt an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bzw. an ihre Krankenkasse zu
wenden.

Die Glaukom-Vorsorgeuntersuchung ist hingegen auch für Diabetiker eine IGeL – Leistung,
weil Diabetiker nicht häufiger am Glaukom erkranken als Nicht-Betroffene. UB




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