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Leitfaden kontinuierliche Glukosemessung (CGM)

Das müssen Sie wissen, wenn Sie ein CGM beantragen

CGM steht für „Continuous Glucose Monitoring“, also „kontinuierliches Glukosemonitoring“. CGM-Systeme sind Geräte, die rund um die Uhr alle fünf Minuten den Glukosegehalt in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes messen. Sie bieten Diabetespatienten den Vorteil, die Stoffwechsellage nicht nur punktuell überprüfen zu können, sondern einen 24-Stunden-Überblick über den täglichen Blutzuckerverlauf zu erhalten. Mit der kontinuierlichen Glukosemessung können Arzt und Patient den Blutzuckerverlauf auch in der Nacht erkennen, Trends frühzeitig einschätzen und Unterzuckerung besser vermeiden. Das müssen Sie wissen, wenn Sie ein CGM beantragen wollen:

 

  1. Wie funktioniert ein CGM?

    Der geschulte Anwender sticht mit einer Setzhilfe einen kleinen Glukosesensor durch die Haut des Oberarms oder Bauchs, der dort bis zu sieben Tage liegen bleiben kann. Hinzu kommen eine kleine Elektronikeinheit („Sender“), die auf der Haut fixiert wird, und ein separates Anzeige- und Speichergerät („Empfänger“). Die Datenübertragung vom Messsystem zum Anzeigegerät, das die Größe eines Mobiltelefons hat, erfolgt per Funk. Bei direkter Kombination des CGM-Systems mit einer Insulinpumpe dient das Display der Insulinpumpe gleichzeitig als Anzeige der Glukosemessdaten. Einige CGM-Systeme kann nur der Arzt auslesen, andere Monitoring- bzw. Überwachungs-systeme bieten die Möglichkeit, die Glukosewerte in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes in Echtzeit anzuzeigen. Diese CGM-Glukosewerte entsprechen dabei nicht immer exakt den Blut-Glukosewerten. Bei schneller Änderung der Blutzuckerspiegels etwa nach einer Mahlzeit hinkt die CGM- Glukose um etwa 5 bis 25 Minuten hinterher. Das Gerät gibt bei Bedarf einen Warnalarm per Akustik- oder Vibrationssignal ab, sobald der Zielbereich verlassen wird und eine akute Stoffwechselentgleisung droht. Weitere Alarmfunktionen warnen sogar schon im Vorfeld vor einer absehbaren Hypo- oder Hyperglykämie. Somit kann der Anwender Komplikationen wie die Gefahr nächtlicher Hypoglykämien vermeiden oder reduzieren, indem er rechtzeitig Maßnahmen ergreift.

 

  1. Für wen kommt die kontinuierliche Glukosemessung in Frage?

Bevor ein CGM-System in Frage kommt, müssen alle anderen diabetologischen Therapieoptionen ausgereizt sein. Das schließt die intensivierte konventionelle Insulintherapie mit Mehrfach-Spritzen-Regime (ICT) sowie die Insulinpumpentherapie (CSII) ein.

Die Arbeitsgruppe CGM der Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie (AGDT) in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) hat auf Basis der aktuellen Studienlage die Indikationen für den praktischen Einsatz von CGM in Deutschland definiert. Demnach werden folgende medizinische Voraussetzungen („Indikationen“) für die Nutzung von CGM-System als relevant erachtet:

  • Hypoglykämien, d. h. häufige schweren Hypoglykämien (mit der Notwendigkeit von Fremdhilfe), schwere nächtlichen Hypoglykämien, nachgewiesene Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen
  • unbefriedigende Stoffwechselkontrolle, wenn trotz Nutzung aller zur Verfügung stehender Therapieoptionen (auch CSII), guter Compliance und Ausschluss schwerer psychologisch-psychiatrischer Störungen der angestrebte HbA1c-Wert nicht erreicht wird
  • vor/während Schwangerschaft mit unbefriedigender Stoffwechselkontrolle unter Einsatz konventioneller Therapieformen
  • Notwendigkeit von mehr als 10 Blutzuckermessungen täglich zur Erreichung des angestrebten Stoffwechselkontrollziels

 

Der Einsatz eines CGM-Systems ist nicht geboten bei („Kontraindikation“):

  • fehlender Bereitschaft zur Intensivierung des Therapieaufwandes, d. h. bei mangelnder Motivation und Compliance
  • Angst vor (oder „Neurotisierung“ durch) technischen Systemen und/oder mangelndem Vertrauen dazu
  • Alkohol- und/oder Drogenabusus
  • schwerwiegenden psychologischen/psychiatrischen Problemen, die nicht in gescheiterten Bemühungen um eine verbesserte Stoffwechselkontrolle begründet sind (z. B. Bulimie, Anorexie, Psychosen)

 

Wichtige weitere Voraussetzungen für die Nutzung von CGM-Systemen sind:

  • die professionelle Auswahl der Patienten durch das Diabetes-Team
  • gute Compliance
  • Ausschluss von Kontraindikationen
  • Ausschöpfung aller anderen verfügbaren Maßnahmen zur Stoffwechseloptimierung (auch CSII)
  • Teilnahme an CGM-Schulung und Training
  • Betreuung durch einen geschulten und CGM-erfahrenen Diabetologen mit Behandlungsteam
  • gegebenenfalls eine individuelle Erprobungsphase des CGM über einige Woche mit erfolgreichem Wirkungsnachweis

 

  1. Ist die kontinuierliche Glukosemessung eine Kassenleistung?

Bei den gesetzlichen Krankenkassen gilt die CGM als „Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode“ (NUB), deren Kosten nur im Einzelfall auf Antrag und nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) übernommen

werden. Der Antrag muss in der Regel mit umfangreichen Daten unterfüttert werden. Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Beantragung der Kostenübernahme ist das Vorliegen einer medizinischen Indikation zur Anwendung des CGM (siehe Punkt 2). Private Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel. Dabei genügt zur Beantragung häufig ein einfaches Rezept, das der behandelnde Diabetologe ausstellt.

 

  1. Wer kann ein CGM beantragen?

    Der Patient reicht den Antrag auf Kostenerstattung bei der zuständigen Geschäftsstelle seiner Krankenkasse ein.

 

  1. Wie gehen Sie bei der Beantragung einer Kostenübernahme vor,
    welche Unterlagen sind nötig?

    Formulieren Sie ein Anschreiben an die Geschäftsstelle Ihrer Krankenkasse, in dem Sie einen Antrag auf Kostenübernahme für ein CGM stellen. Begründen Sie darin, warum Sie ein CGM benötigen – hier können Sie auch kurz auf Ihre persönliche Situation eingehen, auf körperliche und seelische Belastungen, auf berufliche und private Lebensumstände. Abschließend verweisen Sie auf die Anlagen.

 

Dem Anschreiben sollten Sie folgende Unterlagen beifügen:

  • Rezept des Diabetologen, auf dem ein CGM verordnet ist
  • Kostenvoranschlag des Herstellers für das CGM
  • Gutachten des Diabetologen über die medizinische Notwendigkeit der Verordnung

Erläuterung: Das Gutachten des Diabetologen ist frei geschrieben und darf ein bis zwei Seiten umfassen. Daraus sollte hervorgehen, dass alle Therapiemaßnahmen ausgeschöpft wurden, z. B. regelmäßige Blutzucker-Messungen, nächtliche Blutzucker-Messungen, Teilnahme an Schulungen zur Therapieoptimierung (Diabetes, Insulinpumpe, Hypowahrnehmung). Unterzuckerungen unbedingt mit Werten im Blutzucker-Tagebuch nachweisen! Potenziell lebensbedrohliche Situationen, die diagnostiziert und dokumentiert sind, erhöhen die Chancen auf eine erfolgreiche Kostenübernahme. Das gilt auch für den Nachweis hoher HbA1c-Werte über 8,5 Prozent bei mit Compliance und Vorschädigungen etwa des Herzens oder der Nerven.

  • eventuell Kurzgutachten des Gynäkologen, warum mit dem CGM Folgeschäden für das ungeborene Leben vermieden werden können

Wichtig ist, dass alle Angaben nachvollziehbar dokumentiert sind und mit den Unterlagen übereinstimmen.

 

  1. Welche Erfahrungen liegen mit dem Antragsverfahren vor?

Einige Hersteller berichten, dass mehr als die Hälfte der CGM-Nutzer die Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet bekommen. Lehnen die Kassen eine Kostenübernahme ab, kommt es häufig zu Streitfällen, die vor dem Sozialgericht verhandelt werden.

 

7.   Was tun, wenn die Kasse eine Kostenübernahme ablehnt?

  • Im Falle einer Ablehnung der Kostenübernahme durch eine gesetzliche Kasse können Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Begründen Sie Ihren Widerspruch ausführlich. Überprüfen Sie dazu die Gründe für die Ablehnung durch die Kasse: Heißt es im Ablehnungsbescheid etwa sinngemäß „Der Nutzen von CGM ist nicht belegt und/oder die Studienlage ist nicht ausreichend“? In diesem Fall können Sie eine Studienübersicht beilegen. Begründet die Kasse ihre Ablehnung mit dem Hinweis, dass es sich bei dem CGM nicht um eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) handele, dass ein CGM nicht im Hilfsmittelverzeichnis enthalten sei oder keine positive Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorliege? Dann sollten Sie auf das Urteil des Sozialgerichts Detmold vom 1. Dezember 2010 verweisen (SG Detmold v. 01.12.2010, S 5 KR 325/09). Das Gericht stufte das CGM als Hilfsmittel eines 39-jährigen Typ-1-Diabetikers ein und verurteilte die Kasse zur Kostenübernahme.
  • Lehnt die gesetzliche Kasse Ihren Widerspruch ab, können Sie sich anwaltliche Hilfe suchen und innerhalb eines Monats Klage beim Sozialgericht einlegen.
  • Verweigert eine private Krankenkasse die Kostenübernahme, können Sie Beschwerde beim Ombudsmann des Versicherers einlegen. Weist der Ombudsmann die Beschwerde zurück, steht Ihnen der Klageweg offen.
  • Schließlich bleibt jedem Patienten die Möglichkeit, die Kosten für ein CGM selbst zu finanzieren. Dabei gilt: Alle Sensoren funktionieren in der Regel länger als angegeben. Experten haben errechnet, dass sich Tagestherapiekosten von etwa fünf Euro ergeben. Übrigens: Sie können auch nach dem Kauf des CGM bei der Kasse nachträglich eine Kostenerstattung beantragen!

 

  1. Wo gibt es Hilfe und weitere Informationen?
     
  • Es gibt Hersteller von CGMs, die Beratung und Unterstützung beim Antragsverfahren anbieten. Fragen Sie nach!
  • Das vollständige Konsenspapier der Arbeitsgruppe CGM der Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie (AGDT) in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) können Sie hier einsehen. Im Anhang finden Sie eine Übersicht über wissenschaftliche Studien.
  • Ulrike Thurm und Bernhard Gehr: CGM- und Insulinpumpenfibel, Kirchheim-Verlag 2011, 472 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-87409-509-9
  • Weitere Literaturhinweise
  • Mitglieder von DiabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe erhalten kostenlose Rechtsberatung bei Fragen rund um den Diabetes. Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie hier.

 

diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
Bundesgeschäftsstelle • Reinhardtstr. 31 •10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 201 677-0 •
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Schwerbehindertenrecht: Therapieaufwand nicht allein maßgeblich für den Behinderungsgrad

Schwerbehindertenrecht

Therapieaufwand nicht allein maßgeblich für den Behinderungsgrad

Menschen mit Diabetes müssen zum Erhalt eines Schwerbehindertenausweises erhebliche Einschnitte in die Lebensführung nachweisen

Damit Diabetiker den Schwerbehindertenstatus erhalten, müssen neben der Belastung durch hohen Therapieaufwand auch erhebliche Beeinträchtigungen im Alltag vorliegen: Menschen mit Diabetes können nach den einschlägigen Vorschriften den Schwerbehindertenstatus erhalten, wenn sie täglich mindestens vier Insulininjektionen benötigen, deren Dosis sie je nach Ernährung, Bewegung und Blutzucker selbst anpassen. Dieser Therapieaufwand allein reicht aber nicht aus, um den Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Zusätzlich müssen die Betroffenen nachweisen, dass sie durch erhebliche Einschnitte gravierend in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sind. In einer aktuellen Entscheidung ( B 9 SB 2/12 R, Urteil vom 25.10.2012) wurden diese zusätzlichen Voraussetzungen vom Bundessozialgericht nochmals bestätigt. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe rät daher Menschen mit Diabetes, im Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis die geforderten gravierenden Einschnitte in der Lebensführung möglichst detailliert zu belegen.

Um Benachteiligungen im Alltag auszugleichen, können schwerbehinderte Menschen berufliche und finanzielle Vorteile in Anspruch nehmen. Dazu gehören ein besonderer Kündigungsschutz, Zusatzurlaub, die Möglichkeit einer vorzeitigen Altersrente sowie Steuervorteile. Menschen mit Diabetes können die Feststellung des Schwerbehindertenstatus beim Versorgungsamt beantragen. Dort wird geprüft, ob die Voraussetzungen vorliegen.

Beeinträchtigung der Lebensführung entscheidend

Die Versorgungsmedizin-Verordnung lässt dabei jedoch durchaus Interpretationsspielräume zu. Nach dem Wortlaut der Vorschrift ist erforderlich, dass die Patienten durch erhebliche Einschnitte gravierend in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sein müssen. „Nicht selten wird irrtümlich behauptet, dass allein der hohe Therapieaufwand bei Diabetes für den Schwerbehindertenausweis ausreiche“, sagt Rechtsanwalt Oliver Ebert, Vorsitzender des Ausschuss Soziales der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Werden die zusätzlich bestehenden Voraussetzungen jedoch nicht nachgewiesen, dann wird der Antrag oftmals abgelehnt“, so Ebert weiter. Das Bundessozialgericht hat dies in einer aktuellen Entscheidung nun nochmals klargestellt: Allein der Aufwand für Messen und Spritzen reicht nicht aus, um als schwerbehindert anerkannt zu werden.

Voraussetzungen bei Typ-1-Diabetes gegeben

Zwar liegen die geforderten Voraussetzungen bei Menschen mit Diabetes Typ 1, insbesondere Kindern und Jugendlichen, meist vor. Doch „Fehler bei der Antragsstellung führen oftmals dazu, dass der für einen Schwerbehindertenausweis benötigte Grad der Behinderung nicht zuerkannt wird oder das Verfahren sich erheblich in die Länge zieht“, betont Oliver Ebert. Ein Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis sollte daher gemeinsam mit dem behandelnden Arzt gründlich vorbereitet und detailliert begründet werden. „Antragsteller sollten den Therapieaufwand über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten belegen und möglichst umfassend schildern, inwieweit sie durch den Diabetes in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sind“, rät der Jurist.

Weitere Informationen finden Interessierte in einer Informationsbroschüre mit vielen praktischen Tipps, Checklisten und den genauen Gesetzestexten zur Schwerbehinderung. Diese können sie bei diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe bestellen. Vollmitglieder der DDH-M erhalten die Broschüre kostenlos, für alle anderen beträgt die Schutzgebühr 2,00 Euro zzgl. Versandkosten. Informationen bieten darüber hinaus auch die Internetseiten www.diabetesDE.org sowie www.diabetes-und-recht.de.

(Quelle: Pressemitteilung diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013

P R E S S E M I T T E I L U N G

Zum Weltdiabetestag am 14. November 2012:

„Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013” von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe erschienen

Berlin Aktuell sind etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt. 90 Prozent leiden an Diabetes Typ 2, 300.000 an Diabetes Typ 1, davon 25.000 Kinder und Jugendliche. Der aktuelle Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2013 legt in seiner Bestandsaufnahme zum Weltdiabetestag am 14. November 2012 Fakten hierzu vor. Der jährliche Bericht beinhaltet die neuesten Zahlen und Entwicklungen zur Erkrankung Diabetes mellitus in Deutschland. Herausgeber ist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Wie viele Menschen erkranken jedes Jahr neu an Diabetes? Welche Fortschritte gibt es in der Therapie? Wie leben Kinder mit Diabetes? Was versteht man unter Schwangerschaftsdiabetes? Der Gesundheitsbericht Diabetes 2013 gibt alle wichtigen Antworten, Daten und Informationen rund um die Stoffwechselerkrankung. Dazu gehören unter anderem „Diabetesepidemie und Dunkelziffer“, „Prävention des Diabetes“ und „Versorgungsstrukturen, Berufsbilder und professionelle Diabetesorganisationen in Deutschland“.

Außerdem erläutern Experten die häufigsten Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes. In Beiträgen wie „Diabetes und Herzkrankheiten“, „Schlaganfall bei Diabetes“ und „Diabetes und Fußerkrankungen“ gehen sie darauf ein, wie häufig diese auftreten und wie sie behandelt beziehungsweise verhindert werden können. Auch „Psychologische Aspekte: Diabetes, Depression und Lebensqualität“ und „Medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ sind Themen der Veröffentlichung.

Mehrere medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften, Institutionen und Verbände unterstützen die Veröffentlichung. Der Bericht umfasst rund 212 Seiten und ist auf der Internetseite von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe kostenfrei als herunterladbare PDF-Datei oder gedruckt für 6,50 Euro zuzüglich Versandkosten beim Kirchheim-Verlag erhältlich.

Mehr Informationen im Internet:

Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013 kostenfrei als PDF-Datei:
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013
Bestellung der Druckversion:

http://www.kirchheim-buchshop.de

 

Terminankündigung:

Weltdiabetestag

Sonntag, 18. November 2012, 10.00 bis 16.00 Uhr
Internationales Congress Centrum Berlin (ICC),  Neue Kantstraße / Ecke Messedamm, 14057 Berlin

http://weltdiabetestag.diabetesde.org/

Eintritt frei!




Bestmögliche Versorgung für Menschen mit Diabetes gefordert

Pressemitteilung
Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November 

12. November 2012, Berlin – Seit 2007 existiert der Weltdiabetestag, festgelegt in der UN-Resolution unter Generalsekretär Kofi Annan am 20. Dezember 2006. Seitdem wird weltweit am 14. November auf die Volkskrankheit Diabetes und ihre Folgeerkrankungen aufmerksam gemacht. Die selbstständige Betroffenenorganisation „Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes“ (DDH-M) nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf Defizite in der Versorgung zu verweisen, zum Beispiel die Erstattungsfähigkeit für das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM).  

In Deutschland leben aktuell mehr als sechs Millionen Menschen mit Diabetes, eine Steigerung von 38% gegenüber 1998 (RKI 2012). 300 000 Menschen leiden an Typ 1 Diabetes, der nicht mit Tabletten behandelt werden kann. Neben den Insulingaben gehören Blutzuckermessungen zum Alltag eines Diabetikers. Zwischen vier und acht Mal pro Tag messen Patienten mit Typ 1 Diabetes üblicherweise ihren Blutzuckerwert und passen die Insulindosis daran an. Bei dem kontinuierlichen Glukosemonitoring mit einem CGM-System misst eine ins Unterhautfettgewebe eingestochene Sensorelektrode bis zu 1400 Mal täglich den Glukosewert. Der Patient erfährt so, wie sich sein Zuckerspiegel im gesamten Tages- und Nachtverlauf verhält und wird alarmiert, wenn Unter- oder Überzuckerungen drohen. Dank dieser Information kann er Mahlzeiten, körperliche Aktivitäten und Medikation zugunsten eines optimal eingestellten Blutzuckerspiegels anpassen.

Nicht nur, dass die CGM die Lebensqualität für Betroffene deutlich erhöht: Die Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie (AGTD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) betont, dass klinische Studien gezeigt haben, dass bei einer ausreichenden Tragehäufigkeit der CGM-Systeme erhöhte Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c-Werte) effektiv gesenkt und die Häufigkeit von gefährlichen Unterzuckerungen (Hypoglykämien) verringert werden können. Trotzdem lehnen viele Kassen die Erstattung ab mit der Begründung, diese Leistung sei nicht im Hilfsmittelverzeichnis enthalten und die Studienlage wäre nicht ausreichend. 

„Für Typ 1-Betroffene mit einer Hypowahrnehmungsstörung und schweren Hypoglykämien oder einer instabilen Stoffwechsellage ist es nicht nachvollziehbar, dass Kassen die Erstattung erst mal blockieren. Jeder weiß doch, dass derart starke Blutzuckerspiegelschwankungen auf Dauer zu Folgeschäden führen. Und diese kosten unser Gesundheitssystem auf Dauer ein Vielfaches mehr als der Einsatz von CGMs bei Bedarf“, kritisiert Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der DDH-M die aktuelle Gesetzeslage. Des Weiteren erhöhe ein CGM auch die Lebensqualität der Betroffenen, da die Betroffenen kontinuierlich nach den Werten schauen können, was auch weniger auffällig sei, als öffentlich Blutzucker zu messen.

Um den Betroffenen den Antrag auf ein CGM zu erleichtern, bietet die bundesweite Selbsthilfeorganisation DDH-M nun eine Checkliste zur Erstellung eines Gutachtens auf ihrer Website an: www.ddh-m.de

„Wir müssen eine bestmögliche Versorgung für Menschen mit Diabetes in vielerlei Hinsicht erreichen, um möglichst viele Folgeerkrankungen zu vermeiden.“, ergänzt Twachtmann. Die DDH-M setzt sich daher zusammen mit der Gesamtorganisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und anderen Organisationen für einen Nationalen Diabetes Plan ein.         

Auf der zentralen Veranstaltung zum Weltdiabetestag am Sonntag, den 18.11.2012 werden die Vorteile des CGM in einem Vortrag mit dem Thema „Die kontinuierliche Glukosemessung – Was bringt sie?“ von Diabetesberaterin Ulrike Thurm um 14.30 Uhr – 15.00 Uhr in Saal 6 im Berliner ICC vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

 

Ihre Kontakte für Rückfragen:
Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes
Reinhardtstraße 31 ,10117 Berlin Tel.: +49 (0)30 201 677-10

info@ddh-m.de
www.ddh-m.de

Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) ist eine der großen Interessenvertretungen im Bereich Diabetes. Wir engagieren uns politisch für die Rechte und Nöte von Betroffenen und wirken dabei ganz eng mit unseren Partnerorganisationen diabetesDE, DDG und VDBD zusammen, um jeweils die größtmögliche Kompetenz aufbieten zu können. Daneben schaffen wir auch Öffentlichkeit für die Krankheit und die Probleme der Betroffenen damit.




Diabetes-Delegation trifft Bundesgesundheitsministerium

Basispapier zum Nationalen Diabetes-Plan offiziell vorgestellt

Berlin - Am vergangenen Freitag hat eine Delegation von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) sowie des Berufsverbandes der Niedergelassenen Diabetologen, des Hausärzteverbandes und der Selbsthilfeorganisationen Deutscher Diabetikerbund und Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) im Bundesgesundheitsministerium ihr gemeinsames „Basispapier zum Nationalen Diabetes-Plan“ vorgestellt. Mitarbeiter von vier Fachabteilungen nahmen kritisch Stellung und verteilten Hausaufgaben. Eine Fortsetzung der Gespräche ist geplant.

„Wir haben in Deutschland kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit. Wir benötigen einen politischen Auftrag, um die notwendigen Verbesserungen flächendeckend zu realisieren“, so Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Mit der Gründung von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe sei 2009 ein Neuanfang gemacht worden, mit dem Ziel, der chronischen Krankheit mehr Unterstützung durch die Politik zu verschaffen. „Unser Basispapier, auf das wir uns mit den anderen Organisationen geeinigt haben, ist ein erster wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer nationalen Strategie“, so Danne. Jetzt gehe es darum, die politische Umsetzung zu verhandeln.

„In den letzten Jahren hat sich die flächendeckende Versorgung des Diabetes schon deutlich gebessert, aber es gibt ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle. Die Neuerkrankungsraten steigen ungebremst und die Maßnahmen sind insgesamt nicht ausreichend, um einerseits eine Versorgung auf hohem Niveau sicherzustellen und andererseits eine Kostenexplosion zu vermeiden“, warnt Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes.

„Wir sind gebeten worden, die von uns angesprochenen Defizite detaillierter zu beschreiben“, berichtet Psychologe Dr. Bernd Kulzer, Vertreter der DDG und federführender Autor des Basispapiers. „Das ist ein konstruktiver Beginn für weitere Gespräche mit der Politik.“

(Quelle: Pressemitteilung diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Auto fahren und Hochleistungssport trotz Diabetes

Berlin – Seit einem Autounfall am Freitag, den 28. September 2012, liegt der Bundesligaprofi Boris Vukcevic mit schweren Verletzungen im künstlichen Koma. Ersten Vermutungen zufolge könnte eine mögliche Unterzuckerung des an Diabetes Typ 1 erkrankten Hoffenheimer Spielers die Ursache für den Unfall sein. Menschen mit Diabetes mellitus müssen auf auftretende Unterzuckerungen achten und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen verursachen Menschen mit Diabetes im Straßenverkehr nicht mehr Unfälle als Nicht-Diabetiker. Außerdem können auch sie Hochleistungssport wie Profifußball betreiben, wenn sie einige Dinge beachten. Darauf weist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hin.

Der Wagen des 22 Jahre alten Bundesligaprofis Boris Vukcevic kollidierte Ende September mit einem entgegen kommenden LKW. Die ermittelnden Behörden halten es für möglich, dass er aufgrund seiner Erkrankung an Diabetes Typ 1 während der Fahrt eine Unterzuckerung erlitten und deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat. „Sowohl bei einer Insulin- als auch bei einer Tablettenbehandlung bei Menschen mit Diabetes Typ 1 beziehungsweise Typ 2 kann es während einer Autofahrt zu Unterzuckerungen kommen“, sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Liegt der Blutzucker bereits bei Fahrtbeginn unter 70 mg/dl (4 mmol/l), besteht eine erhöhte Gefahr, dass der betroffene Fahrer plötzlich bewusstlos wird. Am häufigsten treten plötzliche Hypoglykämien hinterm Steuer auf, wenn Menschen mit Diabetes Mahlzeiten auslassen oder verzögern. Auch verstärkte körperliche Aktivität oder Alkohol führen zu stetig ansteigenden Fallzahlen.

„Das bedeutet aber nicht, dass Diabetiker ein allgemeines Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr darstellen“, betont Professor Danne. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Verkehrsteilnehmer mit Diabetes nicht häufiger, sondern eher seltener im Straßenverkehr auffällig werden oder Verkehrsunfälle verursachen. Wer bereits einen Führerschein hat, muss eine neu aufgetretene Zuckerkrankheit auch nicht bei der Straßenverkehrsbehörde melden. Jedoch gibt es Richtlinien für Fahrschüler und solche, die den Führerschein nach einem Entzug der Fahrerlaubnis neu beantragen. Dabei geht es vor allem darum, den Straßenverkehr nicht durch Unterzuckerungen von Betroffenen zu gefährden. Eine Hypoglykämie sollte daher jeder Diabetiker zuverlässig erkennen und beheben können. Darüber hinaus sollten Menschen mit Diabetes ein Blutzucker-Tagebuch führen und dieses immer bei sich haben. Sind diese Voraussetzungen gegeben, wird die Fahrerlaubnis für Pkw in der Regel erteilt. „Für gut geschulte Menschen mit Diabetes stellt dies in der Regel kein Problem dar“, so Professor Danne.

Menschen mit Diabetes haben eine umso günstigere Lebensqualität und -erwartung, je besser ihr Diabetes mellitus eingestellt ist. Regelmäßige körperliche Aktivität kann unter anderem dazu beitragen, Blutzucker-Werte, aber auch Blutdruck oder Blutfett-Werte zu verbessern. Grundsätzlich ist es auch trotz Diabetes Typ 1 möglich, sogar Hochleistungssport zu betreiben. Gewichtheber Matthias Steiner, Typ-1-Diabetiker seit seinem 18. Lebensjahr, gewann 2008 bei den olympischen Spielen in Peking Gold. Bei den diesjährigen Spielen in London tritt er wieder an. Auch der ehemalige professionelle Fußballtorwart Dimo Wache, Ex-Eishockey-Nationalspielerin Claudia Grundmann, die sechsfache Weltmeisterin im Kickboxen Anja Renfordt oder Sprinter Daniel Schnelting bewiesen bereits, dass Diabetes Typ 1 kein Hindernis für eine erfolgreiche Karriere im Leistungssport sein muss. Erfolgreich ausgeübter Leistungssport setzt Disziplin voraus, sowohl beim Sport selbst als auch in Bezug auf die Therapieanpassung. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Diabetes. Denn Sport beeinflusst unmittelbar den Blutzuckerspiegel: So müssen sie Insulindosis und Kohlenhydratzufuhr streng auf Trainingsumfänge und –belastung abstimmen, damit es nicht etwa zu einer Unterzuckerung kommt. Damit dies gelingt, messen Sportler mit Diabetes Typ 1 besonders häufig ihren Blutzucker. Nur bei einer guten Stoffwechseleinstellung sind Spitzenleistungen im Sport möglich.

Weitere Informationen finden Interessierte unter:

Regeln für Auto fahrende Menschen mit Diabetes
Leitsätze für den Straßenverkehr
Diabetes und Sport

(Pressemitteilung: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Verordnungsfähigkeit von Teststreifen für Typ 2 - Diabetiker

Am 1. Oktober 2011 trat die Änderung der Arzneimittelrichtlinie über die Verordnung von Harn- und Blutzuckerteststreifen für Typ 2-Diabetiker in Kraft. Seither fragen Betroffene immer wieder, unter welchen Umständen eine Verordnung noch möglich ist. Der Diabetologe Dr. Martin Lederle, Mitglied im Fachbeirat des Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) Landesverbandes NRW e. V. erläutert, was das in der Praxis bedeutet.

Der Beschluss, der dieser Richtlinie zugrunde liegt, wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) getroffen. Dieser entscheidet darüber, welche Leistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden dürfen. Alle Vertragsärzte sind an die Arzneimittelrichtlinie (AM-RL) gebunden. Danach sind Typ 2-Diabetiker, die nicht mit Insulin behandelt werden, grundsätzlich von der Teststreifenverordnung ausgeschlossen. „Grundsätzlich“ bedeutet rechtlich „im Regelfall“, von dem es Ausnahmetatbestände gibt.

Der Beschlusstext sieht Ausnahmen von dieser Regelung vor. Eine instabile Stoffwechsellage kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Dazu gehört beispielsweise auch eine Ersteinstellung oder Therapieumstellung auf orale Antidiabetika mit einem hohen Risiko für Unterzuckerungen, bei denen dies ausdrücklich in der Fachinformation mit einem deutlichen Hinweis auf eine erforderliche regelmäßige Überprüfung der Blut- und/oder Harnzuckerwerte vermerkt ist.

BMG stützt Verordnungsmöglichkeit

Diese Verordnungsmöglichkeit von Teststreifen in den beschriebenen Ausnahmefällen hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nach Prüfung des G-BA-Beschlusses bekräftigt, in dem es davon ausgeht, „dass die im Beschluss formulierten Ausnahmen von dem Verordnungsausschluss den in der Fachinformation entsprechender oraler Antidiabetika formulierten Hinweisen zur Selbstkontrolle von Blut- und/oder Harnzuckerspiegeln durch den Patienten Rechnung tragen“.

Die Menge der Teststreifen ist laut AM-RL auf eine Menge von „grundsätzlich“ bis zu 50 Stück „je Behandlungssituation“ begrenzt. Aber auch diese Einschränkung ist lt. Rechtsanwalt Oliver Ebert von juristischer Warte aus interpretierungsbedürftig. Eine Behandlungssituation ist zeitlich nicht mit einem Quartal gleichzusetzen und kann - bei nicht zufriedenstellendem Therapieverlauf des Patienten - eine weitere Behandlungssituation im gleichen Quartal nach sich ziehen.

Fazit für die Praxis

Aus Sicht des Diabetologen können Teststreifen für Typ 2-Diabetiker ohne Insulintherapie unter Berücksichtigung der Beschlussfassung der AM-RL dann verordnet werden, wenn ein Diabetes erstmalig manifestiert wird oder Hypoglykämie verursachende Medikamente verabreicht werden, eine akute Blutglucose-Stoffwechselentgleisung vorliegt oder der Patient auf eine andere Therapie umgestellt wird. Wer sein individuelles Therapieziel mit Medikamenten, die keine Unterzuckerung verursachen können, gut erreicht, so Dr. Lederle, brauche auch keine Teststreifen. ub

(Quelle: „Teststreifen: Was dürfen Sie verordnen?“, Diabetes-Forum 11/2011)

Foto: Dr. Martin Lederle




10. Düsseldorfer Diabetes-Tag - Neues Thema: Diabetes-Burnout

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Werner A. Scherbaum vom Universitätsklinikum Düsseldorf fand am 29. September 2012 zum zehnten Mal der Diabetes-Tag an bewährtem Standort in der Handwerkskammer Düsseldorf statt. Neu im Programm war das Thema Burnout, das besonderes Interesse bei den Besuchern fand.

Veranstalter waren das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), die Düsseldorfer Diabetes-Ärzte sowie die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) Landesverband NRW e. V.. Außer zu zahlreichen Vorträgen luden die Organisatoren der Veranstaltung zu einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Patienten fragen – Experten antworten“ ein. Podologinnen zeigten, was sachgemäße Fußpflege bedeutet.

Das Diabetes-Info-Mobil im Einsatz
Foto: DDH-M NRW / Breitbach

Auch das Diabetes-Info-Mobil des DDH-M Landesverbandes NRW war wieder zugegen und wurde rege frequentiert.

Diabetesberaterin Afra Schmidt vom DDH-M Landesverband NRW bot dort verschiedene Gesundheitschecks an.

 

 

Burnout – es kann jeden treffen

Vielen Besuchern war nicht bewusst, dass es einen „Diabetes-Burnout“ gibt. Wie eng die Verknüpfung zwischen dem Diabetes und dem „Zustand emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit“ - so die Definition des Burnout - ist, führte die Diabetologin Dr. Jolanda Schottenfeld-Naor in ihrem Vortrag aus. Menschen mit einem Burnout tragen ein erhöhtes Risiko in sich, einen Typ 2 – Diabetes zu entwickeln. Die durch den Dauerstress hervorgerufene Symptomatik mit ungesunder Ernährung, Bewegungsmangel, Infektanfälligkeit und Konzentrationsschwäche kann die Entstehung des Diabetes begünstigen. Auch Folgeerkrankungen wie beispielsweise Depression und Erektile Dysfunktion können auftreten.

Umgekehrt tragen viele Diabetiker vom Typ 1 und Typ 2 das Risiko in sich, zusätzlich einen Burnout zu bekommen, weil sie ihren Diabetes als einen chronischen Stress wahrnehmen. Ursächlich sind hier oft Empfindungen, die durch Ängste vor Folgeerkrankungen und Unterzuckerungen oder zu hohen Erwartungsdruck von außen, aber auch durch zu hoch gesteckte und unrealistische eigene Zielsetzungen in der Therapie oder mangelnde Unterstützung durch das Umfeld geprägt sind.

„Der Diabetes bestimmt nicht mein Leben“

Die Medizinerin rät, sich gegen diese Mechanismen zu wehren. Wenn dies nicht gelingt, kann der Burnout zum Therapieversagen führen und damit einen Teufelskreis in Gang setzen. Die Betroffenen sollten lernen, selbst gegen diesen empfundenen Stress anzugehen. Eines steht bei der Vermeidungsstrategie eines Burnouts an erster Stelle, so die Diabetologin: viel Information, Wissen und Schulung. Wichtig ist auch die soziale Kommunikation im Familien- und Freundeskreis, mit dem Diabetes-Team und in den Selbsthilfegruppen mit der Devise: „Der Diabetes bestimmt nicht mein Leben, sondern man selbst sollte über seinen Diabetes und sein Leben bestimmen.“

Ursula Breitbach




Änderung im Schwerbehindertenrecht

Der Gesetzgeber stellt Schwerbehinderten ein Bündel von Sonderrechten und Leistungen bereit, um ihre Chancen im Arbeitsleben zu verbessern oder Nachteile etwas auszugleichen. Bislang ist es so, dass aufgrund des Diabetes oftmals eine Schwerbehinderung anerkannt wird. Am 9.Juli 2010 hat der Bundesrat aber nun eine Änderung der maßgeblichen Versorgungsmedizin-Verordnung beschlossen, so dass künftig deutlich geänderte Kriterien zur Einstufung der Diabetes-Krankheit gelten werden.

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Kurzfassung der zweiten Änderungsverordnung mit Anmerkungen

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie regelhaft keine Hypoglykämie auslösen kann und die somit in der Lebensführung kaum beeinträchtigt sind, erleiden auch durch den Therapieaufwand keine Teilhabebeeinträchtigung, die die Feststellung eines GdS rechtfertigt. Der GdS beträgt 0.

Diät, Therapie mit Glukosidasehemmer; Biguaniden, Glitazone, DPP4-Inhibitoren, GLP-1-Analoga

„Eine gesunde Lebensführung -auch wenn zeitaufwändig realisiert wird- führt zu keiner Beeinträchtigung der Teilhabe an der Gesellschaft"(Sachverständigenbeirat BMAS)
 

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie eine Hypoglykämie auslösen kann und die durch Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden durch den Therapieaufwand eine signifikante Teilhabebeeinträchtigung. Der GdS beträgt 20.

Therapie mit Sulfonylharnstoffen, Gliniden und 1-2 ergänzenden Insulingaben ohne mindesten 1 mal am Tag erforderliche dokumentierte Blutzuckermessung; BSG 4/2008:"Es ist nicht ersichtlich, inwiefern insbesondere eine einzige Insulininjektion am Tag für sich genommen eine nennenswerte (zusätzliche) Teilhabebeeinträchtigung darstellt".

Generell bei mit Insulin behandeltem Typ 2 Diabetes ohne nachgewiesene mind. l mal tägliche Blutzuckermessung

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie eine Hypoglykämie auslösen kann, die mindestens einmal täglich eine dokumentierte Überprüfung des Blutzuckers selbst durchführen müssen und durch weitere Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden je nach Ausmaß desTherapieaufwands und der Güte der Stoffwechseleinstellung eine stärkereTeilhabebeeinträchtigung. Der GdS beträgt 30-40.

Sulfonylharnstofftherapie oder Analogagabe bzw ergänzende 1-2 malige Gabe von Langzeitinsulin, wenn auch über die Einstellphase hinaus eine so ausgeprägte Hypoglykämiegefährdung besteht, dass mind. 1 mal am Tag eine dokumentierte Blutzuckerkontrolle erforderlich ist -- GdB 30

Mehrfache Blutzuckermessungen und Insulininjektionen pro Tag, aber ohne ständige Anpassung der Insulindosierung

Auch bei gesichertem Typ 1-Diabetes, wenn die Voraussetzungen für GdB 50 nicht nachgewiesen sind (keine Dokumentierung einer gravierenden Teilhabebeeinträchtigung durch ständige Anpassung der Insulineinheiten und Einschnitte in der Lebensführung

Die an Diabetes Erkrankten, die eine Insulintherapie mit täglich mindestens vier Insulininjektionen durchführen, wobei die Insulindosis in Abhängigkeit vom aktuellen Blutzucker, der folgenden Mahlzeit und der körperlichen Belastung selbstständig variiert werden muss, und durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden aufgrund dieses Therapieaufwands eine ausgeprägte Teilhabebeeinträchtigung. Die Blutzuckerselbstmessungen und Insulindosen (bzw. Insulingaben über die Insulinpumpe) müssen dokumentiert werden. Der GdS beträgt 50.

„ Einschnitte in der Lebensführung zeigen sich zum Beispiel bei der Planung des Tagesablaufs, der Gestaltung der Freizeit, der Zubereitung der Mahlzeiten der Berufsausübung und der Mobilität (BMAS)

Es ist nicht erforderlich, dass alle Insulindosen variiert werden. Es genügt zum Beispiel, wenn die rasch wirksamen Insulindosen selbstständig angepasst werden müssen.

Es genügt, wenn der Therapieaufwand beziehungsweise die Teilhabebeeinträchtigung in anhaltend ausgeprägtem Ausmaß über einen relevanten Zeitraum dokumentiert ist. Es ist nicht erforderlich, dass der Therapieaufwand im einzelnen ständig nachgewiesen wird.

Es kommt auch ein GdB von 50 in Betracht, wenn eine ausgeprägte Teilhabebeeinträchtigung zwar nicht durch dokumentierte Anpassung der Insulindosen, aber durch rezidivierende ausgeprägte Hypoglykämien nachgewiesen ist.

 • Zu dieser Gruppe gehören in der Regel an Typ 1 Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche, bei denen das Merkzeichen H bis zur Vollendung des 16.Lebensjahrs stets festzustellen ist. Danach ist das Vorliegen von H als Einzelfallentscheidung zu prüfen.

Außergewöhnlich schwer regulierbare Stoffwechsellagen können jeweils höhere GdS-Werte bedingen.

 

Geänderte Versorgungsmedizin-Verordnung

Seit dem 09.Juli.2010 gelten neue Kriterien bei der Bewertung der chwerbehinderteneigenschaft für Diabetiker. Über die Auswirkungen der Änderung er Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung für Diabetiker sind sehr nterschiedliche Stellungnahmen und Meinungen veröffentlicht worden, die bei vielen Diabetikern zur Verunsicherung geführt haben. Nach der neuen geänderten Bewertung der Schwerbehinderteneigenschaft ist nachfolgende Einstufung vorgesehen:

Neue Regelung:

Die Teilhabestörung wurde aber, entsprechend den Vorgaben des BSG, auf den Aufwand, den Menschen mit Diabetes betreiben müssen, abgestellt

Die Einschränkungen der Teilhabe sind aber sehr wohl mit entsprechenden Protokollen zu belegen. Hierbei hat es sich bewährt, die in der Verordnung aufgeführten Einschnitte in der Lebensführung, z. B. bei der Planung des Tagesablaufs, der Gestaltung der Freizeit, der Zubereitung der Mahlzeiten, der Berufsausübung und der Mobilität einzeln zu erläutern und dies, durchaus in Tabellenform, mit dem regelmäßigen täglichen Zeitaufwand und zusätzlich mit dem unregelmäßig anfallenden Zeitaufwand (z. B. bei sportlicher Betätigung) darzustellen. Dabei sollten die einzelnen Schritte, die zum Therapieaufwand hinzuzuzählen sind, konkret benannt werden und nicht allgemeine Statements in den Antrag hineinkopiert werden, die keinen Bezug zur persönlichen Situation erkennen lassen.

Sollte ein Antrag auf Anerkennung der Schwerbehinderteneigenschaft mit einem geringeren Grad der Schwerbehinderung (GdS) beschieden werden, bittet der DDH-M Landesverband NRW e. V. darum, ihm dies schriftlich mitzuteilen. Der Landesverband NRW e. V. der DDH-M wird sich dann verstärkt über die Arbeitsgruppe Diabetes im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) dafür einsetzen, dass die neuen Bewertungskriterien in der Praxis auch Anwendung finden.

Ihre Mitteilung senden Sie an:

Deutsche Diabetes-Hilfe
- Menschen mit Diabetes -
Landesverband NRW e. V.
Johanniterstr. 45
47053 Duisburg

 




Retinopathie-Vorsorge: keine IGeL-Leistung

Menschen, die keinen Diabetes haben, müssen eine Untersuchung des Augenhintergrundes in
der Regel selbst bezahlen. Es handelt sich dabei um eine so genannte IGeL – Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung).

Für Diabetiker jedoch gilt, dass die Untersuchung des Augenhintergrundes in regelmäßigen Abständen
zum Ausschluss der möglichen Augenerkrankung Retinopathie über die Krankenkassen
abgerechnet wird. Uns sind mehrfach Fälle bekannt geworden, in denen Augenärzte diese Untersuchung bei
Menschen mit Diabetes als IGeL - Leistung abgerechnet und diese Patienten somit privat zur
Kasse gebeten haben. Wir raten den Betroffenen, sich nicht darauf einzulassen und sich
gegebenenfalls direkt an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bzw. an ihre Krankenkasse zu
wenden.

Die Glaukom-Vorsorgeuntersuchung ist hingegen auch für Diabetiker eine IGeL – Leistung,
weil Diabetiker nicht häufiger am Glaukom erkranken als Nicht-Betroffene. UB




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