Aktuelles

Bestmögliche Versorgung für Menschen mit Diabetes gefordert

Pressemitteilung
Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November 

12. November 2012, Berlin – Seit 2007 existiert der Weltdiabetestag, festgelegt in der UN-Resolution unter Generalsekretär Kofi Annan am 20. Dezember 2006. Seitdem wird weltweit am 14. November auf die Volkskrankheit Diabetes und ihre Folgeerkrankungen aufmerksam gemacht. Die selbstständige Betroffenenorganisation „Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes“ (DDH-M) nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf Defizite in der Versorgung zu verweisen, zum Beispiel die Erstattungsfähigkeit für das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM).  

In Deutschland leben aktuell mehr als sechs Millionen Menschen mit Diabetes, eine Steigerung von 38% gegenüber 1998 (RKI 2012). 300 000 Menschen leiden an Typ 1 Diabetes, der nicht mit Tabletten behandelt werden kann. Neben den Insulingaben gehören Blutzuckermessungen zum Alltag eines Diabetikers. Zwischen vier und acht Mal pro Tag messen Patienten mit Typ 1 Diabetes üblicherweise ihren Blutzuckerwert und passen die Insulindosis daran an. Bei dem kontinuierlichen Glukosemonitoring mit einem CGM-System misst eine ins Unterhautfettgewebe eingestochene Sensorelektrode bis zu 1400 Mal täglich den Glukosewert. Der Patient erfährt so, wie sich sein Zuckerspiegel im gesamten Tages- und Nachtverlauf verhält und wird alarmiert, wenn Unter- oder Überzuckerungen drohen. Dank dieser Information kann er Mahlzeiten, körperliche Aktivitäten und Medikation zugunsten eines optimal eingestellten Blutzuckerspiegels anpassen.

Nicht nur, dass die CGM die Lebensqualität für Betroffene deutlich erhöht: Die Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie (AGTD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) betont, dass klinische Studien gezeigt haben, dass bei einer ausreichenden Tragehäufigkeit der CGM-Systeme erhöhte Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c-Werte) effektiv gesenkt und die Häufigkeit von gefährlichen Unterzuckerungen (Hypoglykämien) verringert werden können. Trotzdem lehnen viele Kassen die Erstattung ab mit der Begründung, diese Leistung sei nicht im Hilfsmittelverzeichnis enthalten und die Studienlage wäre nicht ausreichend. 

„Für Typ 1-Betroffene mit einer Hypowahrnehmungsstörung und schweren Hypoglykämien oder einer instabilen Stoffwechsellage ist es nicht nachvollziehbar, dass Kassen die Erstattung erst mal blockieren. Jeder weiß doch, dass derart starke Blutzuckerspiegelschwankungen auf Dauer zu Folgeschäden führen. Und diese kosten unser Gesundheitssystem auf Dauer ein Vielfaches mehr als der Einsatz von CGMs bei Bedarf“, kritisiert Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der DDH-M die aktuelle Gesetzeslage. Des Weiteren erhöhe ein CGM auch die Lebensqualität der Betroffenen, da die Betroffenen kontinuierlich nach den Werten schauen können, was auch weniger auffällig sei, als öffentlich Blutzucker zu messen.

Um den Betroffenen den Antrag auf ein CGM zu erleichtern, bietet die bundesweite Selbsthilfeorganisation DDH-M nun eine Checkliste zur Erstellung eines Gutachtens auf ihrer Website an: www.ddh-m.de

„Wir müssen eine bestmögliche Versorgung für Menschen mit Diabetes in vielerlei Hinsicht erreichen, um möglichst viele Folgeerkrankungen zu vermeiden.“, ergänzt Twachtmann. Die DDH-M setzt sich daher zusammen mit der Gesamtorganisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und anderen Organisationen für einen Nationalen Diabetes Plan ein.         

Auf der zentralen Veranstaltung zum Weltdiabetestag am Sonntag, den 18.11.2012 werden die Vorteile des CGM in einem Vortrag mit dem Thema „Die kontinuierliche Glukosemessung – Was bringt sie?“ von Diabetesberaterin Ulrike Thurm um 14.30 Uhr – 15.00 Uhr in Saal 6 im Berliner ICC vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

 

Ihre Kontakte für Rückfragen:
Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes
Reinhardtstraße 31 ,10117 Berlin Tel.: +49 (0)30 201 677-10

info@ddh-m.de
www.ddh-m.de

Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) ist eine der großen Interessenvertretungen im Bereich Diabetes. Wir engagieren uns politisch für die Rechte und Nöte von Betroffenen und wirken dabei ganz eng mit unseren Partnerorganisationen diabetesDE, DDG und VDBD zusammen, um jeweils die größtmögliche Kompetenz aufbieten zu können. Daneben schaffen wir auch Öffentlichkeit für die Krankheit und die Probleme der Betroffenen damit.




Diabetes-Delegation trifft Bundesgesundheitsministerium

Basispapier zum Nationalen Diabetes-Plan offiziell vorgestellt

Berlin - Am vergangenen Freitag hat eine Delegation von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) sowie des Berufsverbandes der Niedergelassenen Diabetologen, des Hausärzteverbandes und der Selbsthilfeorganisationen Deutscher Diabetikerbund und Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) im Bundesgesundheitsministerium ihr gemeinsames „Basispapier zum Nationalen Diabetes-Plan“ vorgestellt. Mitarbeiter von vier Fachabteilungen nahmen kritisch Stellung und verteilten Hausaufgaben. Eine Fortsetzung der Gespräche ist geplant.

„Wir haben in Deutschland kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit. Wir benötigen einen politischen Auftrag, um die notwendigen Verbesserungen flächendeckend zu realisieren“, so Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Mit der Gründung von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe sei 2009 ein Neuanfang gemacht worden, mit dem Ziel, der chronischen Krankheit mehr Unterstützung durch die Politik zu verschaffen. „Unser Basispapier, auf das wir uns mit den anderen Organisationen geeinigt haben, ist ein erster wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer nationalen Strategie“, so Danne. Jetzt gehe es darum, die politische Umsetzung zu verhandeln.

„In den letzten Jahren hat sich die flächendeckende Versorgung des Diabetes schon deutlich gebessert, aber es gibt ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle. Die Neuerkrankungsraten steigen ungebremst und die Maßnahmen sind insgesamt nicht ausreichend, um einerseits eine Versorgung auf hohem Niveau sicherzustellen und andererseits eine Kostenexplosion zu vermeiden“, warnt Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes.

„Wir sind gebeten worden, die von uns angesprochenen Defizite detaillierter zu beschreiben“, berichtet Psychologe Dr. Bernd Kulzer, Vertreter der DDG und federführender Autor des Basispapiers. „Das ist ein konstruktiver Beginn für weitere Gespräche mit der Politik.“

(Quelle: Pressemitteilung diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Auto fahren und Hochleistungssport trotz Diabetes

Berlin – Seit einem Autounfall am Freitag, den 28. September 2012, liegt der Bundesligaprofi Boris Vukcevic mit schweren Verletzungen im künstlichen Koma. Ersten Vermutungen zufolge könnte eine mögliche Unterzuckerung des an Diabetes Typ 1 erkrankten Hoffenheimer Spielers die Ursache für den Unfall sein. Menschen mit Diabetes mellitus müssen auf auftretende Unterzuckerungen achten und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen verursachen Menschen mit Diabetes im Straßenverkehr nicht mehr Unfälle als Nicht-Diabetiker. Außerdem können auch sie Hochleistungssport wie Profifußball betreiben, wenn sie einige Dinge beachten. Darauf weist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hin.

Der Wagen des 22 Jahre alten Bundesligaprofis Boris Vukcevic kollidierte Ende September mit einem entgegen kommenden LKW. Die ermittelnden Behörden halten es für möglich, dass er aufgrund seiner Erkrankung an Diabetes Typ 1 während der Fahrt eine Unterzuckerung erlitten und deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat. „Sowohl bei einer Insulin- als auch bei einer Tablettenbehandlung bei Menschen mit Diabetes Typ 1 beziehungsweise Typ 2 kann es während einer Autofahrt zu Unterzuckerungen kommen“, sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Liegt der Blutzucker bereits bei Fahrtbeginn unter 70 mg/dl (4 mmol/l), besteht eine erhöhte Gefahr, dass der betroffene Fahrer plötzlich bewusstlos wird. Am häufigsten treten plötzliche Hypoglykämien hinterm Steuer auf, wenn Menschen mit Diabetes Mahlzeiten auslassen oder verzögern. Auch verstärkte körperliche Aktivität oder Alkohol führen zu stetig ansteigenden Fallzahlen.

„Das bedeutet aber nicht, dass Diabetiker ein allgemeines Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr darstellen“, betont Professor Danne. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Verkehrsteilnehmer mit Diabetes nicht häufiger, sondern eher seltener im Straßenverkehr auffällig werden oder Verkehrsunfälle verursachen. Wer bereits einen Führerschein hat, muss eine neu aufgetretene Zuckerkrankheit auch nicht bei der Straßenverkehrsbehörde melden. Jedoch gibt es Richtlinien für Fahrschüler und solche, die den Führerschein nach einem Entzug der Fahrerlaubnis neu beantragen. Dabei geht es vor allem darum, den Straßenverkehr nicht durch Unterzuckerungen von Betroffenen zu gefährden. Eine Hypoglykämie sollte daher jeder Diabetiker zuverlässig erkennen und beheben können. Darüber hinaus sollten Menschen mit Diabetes ein Blutzucker-Tagebuch führen und dieses immer bei sich haben. Sind diese Voraussetzungen gegeben, wird die Fahrerlaubnis für Pkw in der Regel erteilt. „Für gut geschulte Menschen mit Diabetes stellt dies in der Regel kein Problem dar“, so Professor Danne.

Menschen mit Diabetes haben eine umso günstigere Lebensqualität und -erwartung, je besser ihr Diabetes mellitus eingestellt ist. Regelmäßige körperliche Aktivität kann unter anderem dazu beitragen, Blutzucker-Werte, aber auch Blutdruck oder Blutfett-Werte zu verbessern. Grundsätzlich ist es auch trotz Diabetes Typ 1 möglich, sogar Hochleistungssport zu betreiben. Gewichtheber Matthias Steiner, Typ-1-Diabetiker seit seinem 18. Lebensjahr, gewann 2008 bei den olympischen Spielen in Peking Gold. Bei den diesjährigen Spielen in London tritt er wieder an. Auch der ehemalige professionelle Fußballtorwart Dimo Wache, Ex-Eishockey-Nationalspielerin Claudia Grundmann, die sechsfache Weltmeisterin im Kickboxen Anja Renfordt oder Sprinter Daniel Schnelting bewiesen bereits, dass Diabetes Typ 1 kein Hindernis für eine erfolgreiche Karriere im Leistungssport sein muss. Erfolgreich ausgeübter Leistungssport setzt Disziplin voraus, sowohl beim Sport selbst als auch in Bezug auf die Therapieanpassung. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Diabetes. Denn Sport beeinflusst unmittelbar den Blutzuckerspiegel: So müssen sie Insulindosis und Kohlenhydratzufuhr streng auf Trainingsumfänge und –belastung abstimmen, damit es nicht etwa zu einer Unterzuckerung kommt. Damit dies gelingt, messen Sportler mit Diabetes Typ 1 besonders häufig ihren Blutzucker. Nur bei einer guten Stoffwechseleinstellung sind Spitzenleistungen im Sport möglich.

Weitere Informationen finden Interessierte unter:

Regeln für Auto fahrende Menschen mit Diabetes
Leitsätze für den Straßenverkehr
Diabetes und Sport

(Pressemitteilung: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Verordnungsfähigkeit von Teststreifen für Typ 2 - Diabetiker

Am 1. Oktober 2011 trat die Änderung der Arzneimittelrichtlinie über die Verordnung von Harn- und Blutzuckerteststreifen für Typ 2-Diabetiker in Kraft. Seither fragen Betroffene immer wieder, unter welchen Umständen eine Verordnung noch möglich ist. Der Diabetologe Dr. Martin Lederle, Mitglied im Fachbeirat des Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) Landesverbandes NRW e. V. erläutert, was das in der Praxis bedeutet.

Der Beschluss, der dieser Richtlinie zugrunde liegt, wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) getroffen. Dieser entscheidet darüber, welche Leistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden dürfen. Alle Vertragsärzte sind an die Arzneimittelrichtlinie (AM-RL) gebunden. Danach sind Typ 2-Diabetiker, die nicht mit Insulin behandelt werden, grundsätzlich von der Teststreifenverordnung ausgeschlossen. „Grundsätzlich“ bedeutet rechtlich „im Regelfall“, von dem es Ausnahmetatbestände gibt.

Der Beschlusstext sieht Ausnahmen von dieser Regelung vor. Eine instabile Stoffwechsellage kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Dazu gehört beispielsweise auch eine Ersteinstellung oder Therapieumstellung auf orale Antidiabetika mit einem hohen Risiko für Unterzuckerungen, bei denen dies ausdrücklich in der Fachinformation mit einem deutlichen Hinweis auf eine erforderliche regelmäßige Überprüfung der Blut- und/oder Harnzuckerwerte vermerkt ist.

BMG stützt Verordnungsmöglichkeit

Diese Verordnungsmöglichkeit von Teststreifen in den beschriebenen Ausnahmefällen hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nach Prüfung des G-BA-Beschlusses bekräftigt, in dem es davon ausgeht, „dass die im Beschluss formulierten Ausnahmen von dem Verordnungsausschluss den in der Fachinformation entsprechender oraler Antidiabetika formulierten Hinweisen zur Selbstkontrolle von Blut- und/oder Harnzuckerspiegeln durch den Patienten Rechnung tragen“.

Die Menge der Teststreifen ist laut AM-RL auf eine Menge von „grundsätzlich“ bis zu 50 Stück „je Behandlungssituation“ begrenzt. Aber auch diese Einschränkung ist lt. Rechtsanwalt Oliver Ebert von juristischer Warte aus interpretierungsbedürftig. Eine Behandlungssituation ist zeitlich nicht mit einem Quartal gleichzusetzen und kann - bei nicht zufriedenstellendem Therapieverlauf des Patienten - eine weitere Behandlungssituation im gleichen Quartal nach sich ziehen.

Fazit für die Praxis

Aus Sicht des Diabetologen können Teststreifen für Typ 2-Diabetiker ohne Insulintherapie unter Berücksichtigung der Beschlussfassung der AM-RL dann verordnet werden, wenn ein Diabetes erstmalig manifestiert wird oder Hypoglykämie verursachende Medikamente verabreicht werden, eine akute Blutglucose-Stoffwechselentgleisung vorliegt oder der Patient auf eine andere Therapie umgestellt wird. Wer sein individuelles Therapieziel mit Medikamenten, die keine Unterzuckerung verursachen können, gut erreicht, so Dr. Lederle, brauche auch keine Teststreifen. ub

(Quelle: „Teststreifen: Was dürfen Sie verordnen?“, Diabetes-Forum 11/2011)

Foto: Dr. Martin Lederle




10. Düsseldorfer Diabetes-Tag - Neues Thema: Diabetes-Burnout

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Werner A. Scherbaum vom Universitätsklinikum Düsseldorf fand am 29. September 2012 zum zehnten Mal der Diabetes-Tag an bewährtem Standort in der Handwerkskammer Düsseldorf statt. Neu im Programm war das Thema Burnout, das besonderes Interesse bei den Besuchern fand.

Veranstalter waren das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), die Düsseldorfer Diabetes-Ärzte sowie die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) Landesverband NRW e. V.. Außer zu zahlreichen Vorträgen luden die Organisatoren der Veranstaltung zu einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Patienten fragen – Experten antworten“ ein. Podologinnen zeigten, was sachgemäße Fußpflege bedeutet.

Das Diabetes-Info-Mobil im Einsatz
Foto: DDH-M NRW / Breitbach

Auch das Diabetes-Info-Mobil des DDH-M Landesverbandes NRW war wieder zugegen und wurde rege frequentiert.

Diabetesberaterin Afra Schmidt vom DDH-M Landesverband NRW bot dort verschiedene Gesundheitschecks an.

 

 

Burnout – es kann jeden treffen

Vielen Besuchern war nicht bewusst, dass es einen „Diabetes-Burnout“ gibt. Wie eng die Verknüpfung zwischen dem Diabetes und dem „Zustand emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit“ - so die Definition des Burnout - ist, führte die Diabetologin Dr. Jolanda Schottenfeld-Naor in ihrem Vortrag aus. Menschen mit einem Burnout tragen ein erhöhtes Risiko in sich, einen Typ 2 – Diabetes zu entwickeln. Die durch den Dauerstress hervorgerufene Symptomatik mit ungesunder Ernährung, Bewegungsmangel, Infektanfälligkeit und Konzentrationsschwäche kann die Entstehung des Diabetes begünstigen. Auch Folgeerkrankungen wie beispielsweise Depression und Erektile Dysfunktion können auftreten.

Umgekehrt tragen viele Diabetiker vom Typ 1 und Typ 2 das Risiko in sich, zusätzlich einen Burnout zu bekommen, weil sie ihren Diabetes als einen chronischen Stress wahrnehmen. Ursächlich sind hier oft Empfindungen, die durch Ängste vor Folgeerkrankungen und Unterzuckerungen oder zu hohen Erwartungsdruck von außen, aber auch durch zu hoch gesteckte und unrealistische eigene Zielsetzungen in der Therapie oder mangelnde Unterstützung durch das Umfeld geprägt sind.

„Der Diabetes bestimmt nicht mein Leben“

Die Medizinerin rät, sich gegen diese Mechanismen zu wehren. Wenn dies nicht gelingt, kann der Burnout zum Therapieversagen führen und damit einen Teufelskreis in Gang setzen. Die Betroffenen sollten lernen, selbst gegen diesen empfundenen Stress anzugehen. Eines steht bei der Vermeidungsstrategie eines Burnouts an erster Stelle, so die Diabetologin: viel Information, Wissen und Schulung. Wichtig ist auch die soziale Kommunikation im Familien- und Freundeskreis, mit dem Diabetes-Team und in den Selbsthilfegruppen mit der Devise: „Der Diabetes bestimmt nicht mein Leben, sondern man selbst sollte über seinen Diabetes und sein Leben bestimmen.“

Ursula Breitbach




DDH-M – regionale Kooperation zeigt Wirkung

Zu Beginn der Fragerunde im Rahmen des 10. Düsseldorfer Diabetes-Tages am 29. September bat Prof. Dr. Werner A. Scherbaum vom Universitätsklinikum Düsseldorf Martin Hadder, den Vorsitzenden des DDH-M Landesverbandes NRW e. V., um eine Stellungnahme zur erfolgten Umbenennung des Landesverbandes, der als Interessengemeinschaft für die Diabetiker-Selbsthilfe in Nordrhein-Westfalen steht.

Herr Hadder führte aus, dass für den Verband die Interessen der Betroffenen für eine gute Versorgung der Diabetiker an erster Stelle stehen. Der Vorteil des Beitritts des Landesverbandes zu einer neuen Betroffenen-Organisation sei es, Defizite in der Versorgung künftig besser und direkter sowie gemeinsam mit den Fachgesellschaften an die Entscheidungsträger herantragen zu können. Ebenso können Änderungen in der Versorgung seitens der Entscheidungsträger den Betroffenen auf direkterem Weg vermittelt werden. Der Landesverband wird seine Mitglieder über seine Arbeit sowie Gespräche und Verhandlungen mit den maßgeblichen Einrichtungen in den Medien, so auch in seiner neuen Mitgliederzeitschrift „DDH-M aktuell“, informieren. 

Welche Bedeutung der DDH-M Landesverband hat, machte Professor Dr. Scherbaum am Beispiel der Diabetes-Leitlinien deutlich. Deren Umsetzung, so der Mediziner und Wissenschaftler, erfolgt regional. Da ist es notwendig, zum Wohle der Patienten mit dem Interessenverband auf lokaler Ebene eng zusammenzuarbeiten, wie dies mit den Bezirksvertretern von DDH-M vor Ort weiterhin erfolgreich geschieht.

Ursula Breitbach




Änderung im Schwerbehindertenrecht

Der Gesetzgeber stellt Schwerbehinderten ein Bündel von Sonderrechten und Leistungen bereit, um ihre Chancen im Arbeitsleben zu verbessern oder Nachteile etwas auszugleichen. Bislang ist es so, dass aufgrund des Diabetes oftmals eine Schwerbehinderung anerkannt wird. Am 9.Juli 2010 hat der Bundesrat aber nun eine Änderung der maßgeblichen Versorgungsmedizin-Verordnung beschlossen, so dass künftig deutlich geänderte Kriterien zur Einstufung der Diabetes-Krankheit gelten werden.

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Kurzfassung der zweiten Änderungsverordnung mit Anmerkungen

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie regelhaft keine Hypoglykämie auslösen kann und die somit in der Lebensführung kaum beeinträchtigt sind, erleiden auch durch den Therapieaufwand keine Teilhabebeeinträchtigung, die die Feststellung eines GdS rechtfertigt. Der GdS beträgt 0.

Diät, Therapie mit Glukosidasehemmer; Biguaniden, Glitazone, DPP4-Inhibitoren, GLP-1-Analoga

„Eine gesunde Lebensführung -auch wenn zeitaufwändig realisiert wird- führt zu keiner Beeinträchtigung der Teilhabe an der Gesellschaft"(Sachverständigenbeirat BMAS)
 

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie eine Hypoglykämie auslösen kann und die durch Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden durch den Therapieaufwand eine signifikante Teilhabebeeinträchtigung. Der GdS beträgt 20.

Therapie mit Sulfonylharnstoffen, Gliniden und 1-2 ergänzenden Insulingaben ohne mindesten 1 mal am Tag erforderliche dokumentierte Blutzuckermessung; BSG 4/2008:"Es ist nicht ersichtlich, inwiefern insbesondere eine einzige Insulininjektion am Tag für sich genommen eine nennenswerte (zusätzliche) Teilhabebeeinträchtigung darstellt".

Generell bei mit Insulin behandeltem Typ 2 Diabetes ohne nachgewiesene mind. l mal tägliche Blutzuckermessung

Die an Diabetes Erkrankten, deren Therapie eine Hypoglykämie auslösen kann, die mindestens einmal täglich eine dokumentierte Überprüfung des Blutzuckers selbst durchführen müssen und durch weitere Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden je nach Ausmaß desTherapieaufwands und der Güte der Stoffwechseleinstellung eine stärkereTeilhabebeeinträchtigung. Der GdS beträgt 30-40.

Sulfonylharnstofftherapie oder Analogagabe bzw ergänzende 1-2 malige Gabe von Langzeitinsulin, wenn auch über die Einstellphase hinaus eine so ausgeprägte Hypoglykämiegefährdung besteht, dass mind. 1 mal am Tag eine dokumentierte Blutzuckerkontrolle erforderlich ist -- GdB 30

Mehrfache Blutzuckermessungen und Insulininjektionen pro Tag, aber ohne ständige Anpassung der Insulindosierung

Auch bei gesichertem Typ 1-Diabetes, wenn die Voraussetzungen für GdB 50 nicht nachgewiesen sind (keine Dokumentierung einer gravierenden Teilhabebeeinträchtigung durch ständige Anpassung der Insulineinheiten und Einschnitte in der Lebensführung

Die an Diabetes Erkrankten, die eine Insulintherapie mit täglich mindestens vier Insulininjektionen durchführen, wobei die Insulindosis in Abhängigkeit vom aktuellen Blutzucker, der folgenden Mahlzeit und der körperlichen Belastung selbstständig variiert werden muss, und durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erleiden aufgrund dieses Therapieaufwands eine ausgeprägte Teilhabebeeinträchtigung. Die Blutzuckerselbstmessungen und Insulindosen (bzw. Insulingaben über die Insulinpumpe) müssen dokumentiert werden. Der GdS beträgt 50.

„ Einschnitte in der Lebensführung zeigen sich zum Beispiel bei der Planung des Tagesablaufs, der Gestaltung der Freizeit, der Zubereitung der Mahlzeiten der Berufsausübung und der Mobilität (BMAS)

Es ist nicht erforderlich, dass alle Insulindosen variiert werden. Es genügt zum Beispiel, wenn die rasch wirksamen Insulindosen selbstständig angepasst werden müssen.

Es genügt, wenn der Therapieaufwand beziehungsweise die Teilhabebeeinträchtigung in anhaltend ausgeprägtem Ausmaß über einen relevanten Zeitraum dokumentiert ist. Es ist nicht erforderlich, dass der Therapieaufwand im einzelnen ständig nachgewiesen wird.

Es kommt auch ein GdB von 50 in Betracht, wenn eine ausgeprägte Teilhabebeeinträchtigung zwar nicht durch dokumentierte Anpassung der Insulindosen, aber durch rezidivierende ausgeprägte Hypoglykämien nachgewiesen ist.

 • Zu dieser Gruppe gehören in der Regel an Typ 1 Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche, bei denen das Merkzeichen H bis zur Vollendung des 16.Lebensjahrs stets festzustellen ist. Danach ist das Vorliegen von H als Einzelfallentscheidung zu prüfen.

Außergewöhnlich schwer regulierbare Stoffwechsellagen können jeweils höhere GdS-Werte bedingen.

 

Geänderte Versorgungsmedizin-Verordnung

Seit dem 09.Juli.2010 gelten neue Kriterien bei der Bewertung der chwerbehinderteneigenschaft für Diabetiker. Über die Auswirkungen der Änderung er Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung für Diabetiker sind sehr nterschiedliche Stellungnahmen und Meinungen veröffentlicht worden, die bei vielen Diabetikern zur Verunsicherung geführt haben. Nach der neuen geänderten Bewertung der Schwerbehinderteneigenschaft ist nachfolgende Einstufung vorgesehen:

Neue Regelung:

Die Teilhabestörung wurde aber, entsprechend den Vorgaben des BSG, auf den Aufwand, den Menschen mit Diabetes betreiben müssen, abgestellt

Die Einschränkungen der Teilhabe sind aber sehr wohl mit entsprechenden Protokollen zu belegen. Hierbei hat es sich bewährt, die in der Verordnung aufgeführten Einschnitte in der Lebensführung, z. B. bei der Planung des Tagesablaufs, der Gestaltung der Freizeit, der Zubereitung der Mahlzeiten, der Berufsausübung und der Mobilität einzeln zu erläutern und dies, durchaus in Tabellenform, mit dem regelmäßigen täglichen Zeitaufwand und zusätzlich mit dem unregelmäßig anfallenden Zeitaufwand (z. B. bei sportlicher Betätigung) darzustellen. Dabei sollten die einzelnen Schritte, die zum Therapieaufwand hinzuzuzählen sind, konkret benannt werden und nicht allgemeine Statements in den Antrag hineinkopiert werden, die keinen Bezug zur persönlichen Situation erkennen lassen.

Sollte ein Antrag auf Anerkennung der Schwerbehinderteneigenschaft mit einem geringeren Grad der Schwerbehinderung (GdS) beschieden werden, bittet der DDH-M Landesverband NRW e. V. darum, ihm dies schriftlich mitzuteilen. Der Landesverband NRW e. V. der DDH-M wird sich dann verstärkt über die Arbeitsgruppe Diabetes im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) dafür einsetzen, dass die neuen Bewertungskriterien in der Praxis auch Anwendung finden.

Ihre Mitteilung senden Sie an:

Deutsche Diabetes-Hilfe
- Menschen mit Diabetes -
Landesverband NRW e. V.
Johanniterstr. 45
47053 Duisburg

 




Retinopathie-Vorsorge: keine IGeL-Leistung

Menschen, die keinen Diabetes haben, müssen eine Untersuchung des Augenhintergrundes in
der Regel selbst bezahlen. Es handelt sich dabei um eine so genannte IGeL – Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung).

Für Diabetiker jedoch gilt, dass die Untersuchung des Augenhintergrundes in regelmäßigen Abständen
zum Ausschluss der möglichen Augenerkrankung Retinopathie über die Krankenkassen
abgerechnet wird. Uns sind mehrfach Fälle bekannt geworden, in denen Augenärzte diese Untersuchung bei
Menschen mit Diabetes als IGeL - Leistung abgerechnet und diese Patienten somit privat zur
Kasse gebeten haben. Wir raten den Betroffenen, sich nicht darauf einzulassen und sich
gegebenenfalls direkt an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bzw. an ihre Krankenkasse zu
wenden.

Die Glaukom-Vorsorgeuntersuchung ist hingegen auch für Diabetiker eine IGeL – Leistung,
weil Diabetiker nicht häufiger am Glaukom erkranken als Nicht-Betroffene. UB




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