Aktuelles

Kampagne „NRW braucht PTA!“

48.000 Unterschriften für tragfähiges Ausbildungskonzept für PTA

Die Ausbildung der Technischen Assistenz – Berufe werden in Nordrhein-Westfalen an öffentlichen Berufskollegs, an denen kein Schulgeld für die berufliche Erstausbildung zu entrichten ist, durchgeführt. Es gibt bisher nur eine Ausnahme: Pharmazeutisch-technische Assistentinnen (PTA) werden immer noch an PTA-Schulen ausgebildet, weil es die Landesregierung so vorsieht. Mit einer zum Teil drastischen Erhöhung des Schulgeldes, das die PTA-Schülerinnen und -Schüler selbst zahlen müssen, stößt das bisherige Ausbildungsmodell an seine Grenzen. Die Apotheker fürchten um ihren Nachwuchs. Mit der Kampagne „NRW braucht PTA!“ sammelten sie 48.000 Unterschriften für die Forderung an die Landesregierung, die PTA-Ausbildung künftig an öffentliche Berufskollegs zu verlagern. Diese überreichten die PTA-Schülerinnen und -Schüler mit einer Petition am 20. März 2013 an Schulministerin Sylvia Löhrmann und Gesundheitsministerin Barbara Steffens und demonstrierten vor dem Landtag in Düsseldorf für eine sozial gerechte Umstrukturierung ihrer Ausbildung.

Der DDH-M Landesverband NRW e.V. unterstützt diese Forderung, da eine gute Beratung in den Apotheken vor Ort nur dann gewährleistet sein kann, wenn kompetent ausgebildete Fachkräfte diese Beratung durchführen. Voraussetzung dafür ist eine fachliche Ausbildung, für die die entsprechenden Grundlagen vorhanden sein müssen.

Alle Hintergrundinformationen finden Sie hier:   

Stellungnahme der Apothekerverbände

Presseerklärung der Apothekerverbände
 

 




G-BA entscheidet gegen Therapiesicherheit und Patientenbedürfnisse

Stellungnahme

von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M)

zur Kritik am G-BA- Entscheid vom 21.2.2013 zur Nutzenbewertung des DDP-4-Hemmers Linagliptin

  1. G-BA entscheidet gegen Therapiesicherheit und Patientenbedürfnisse

diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe und ihre Selbsthilfeorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) teilen die Einschätzung des G-BA vom 21.2.2013, der DDP-4-Hemmer Linagliptin hätte generell keinen Zusatznutzen, in keiner Weise. Wie diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe in der vorangegangenen Stellungnahme vom 20.12.2012 detailliert ausgeführt hat (1), ist der Wirkstoff sehr therapiesicher und weist im Gegensatz zu Sulfonylharnstoffen ein geringes Risiko auf, dass Patienten unterzuckern. Diese Hypoglykämien sind gefährliche und potenziell tödliche Behandlungszwischenfälle. Bei schwerem Verlauf fügen sie dem Patienten erhebliches Leid zu. Vergleichsstudien (4) belegen, dass DPP4-Hemmer das Risiko für Hypoglykämien senken. Aus Sicht von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe gibt es keinen Zweifel am Zusatznutzen der DPP4-Hemmer, sie stellen eine eindeutig sicherere und verträglichere Alternative zu den kostengünstigeren Sulfonylharnstoffderivaten dar.

Wie der Hersteller nun bereits angekündigt hat, wird er das Medikament Trajenta® mit dem Wirkstoff Linagliptin in Deutschland nicht vertreiben. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe geht davon aus, dass dieser Entscheid des G-BA wegweisend ist und das Aus der gesamten Substanzklasse der DPP4-Hemmer nach sich ziehen wird. Davon wären bis zu geschätzt 880 000 (IMS Daten) Patienten in Deutschland betroffen, die nun auf eine weniger sichere Therapie umgestellt werden müssten.

Auch aus sozialen Gesichtspunkten ist der G-BA-Entscheid zu kritisieren, denn Linagliptin und andere DPP-4-Hemmer sind in besonderer Weise geeignet für Menschen mit Diabetes, die sicherheitssensible Berufe ausüben. Nicht berücksichtigt wurde z.B. die EU-Richtlinie für Berufskraftfahrer 2009 / 112 +113/EG (3) , die u.a. besagt, dass Kraftfahrer mit Sulfonylharnstoff oder Insulintherapie regelmäßig und im Berufsalltag mehrfach täglich den Blutzucker kontrollieren müssen, um Hypoglykämien zu vermeiden. Da dies bei vielen Kraftfahrern im Berufsalltag unrealistisch ist, würde die Umstellung der Therapie von den DDP-4-Hemmern auf Sulfonylharnstoffe bei vielen Betroffenen zum Verschweigen der Krankheit, ggfs. zu ungenügendem Verfolgen der aktuellen Blutzuckersituation bzw. zum Jobverlust führen können. Dies gilt auch für Berufstätige, die Maschinen bedienen müssen oder Aufsichtsfunktionen haben. Hier kann eine durch Unterzucker verursachte Schwäche nicht nur das Leben des Betroffenen, sondern auch das anderer Mitmenschen in Gefahr bringen.

Für die behandelnden Ärzte hätte eine Massentherapieumstellung von geschätzten bis zu 880 000 Millionen Menschen möglicherweise strafrechtliche Konsequenzen: die behandelnden Ärzte sind verpflichtet, bei der Sulfonylharnstofftherapie über die Gefahr von Hypoglykämien und Wahrnehmungsstörungen detailliert aufzuklären. Sollte es infolge der Therapie mit Sulfonylharnstoffen bei Berufskraftfahrern zu Unfällen kommen, könnten Ärzte von Betroffenen evtl. in Regress genommen werden.

Deutschland wäre auch das einzige europäische Land, das seinen Patienten die bewährte innovative Therapie mit Linagliptin und möglicherweise anderen Gliptinen verweigert. Die Entscheidung des G-BA (2) ist unserer Auffassung nach weder aus wissenschaftlichen, noch aus ethisch-sozialen Gründen nachvollziehbar. Eine Umstellung der Betroffenen auf eine Therapie mit den weit verbreiteten Sulfonylharnstoffen oder Insulin birgt nachweislich die Gefahr von Unterzuckerungen. Im Übrigen ist eine Nutzenbewertung der Vergleichstherapie mit Sulfonylharnstoffen im IQWiG bislang nie vorgenommen worden. Wir verwehren uns entschieden dagegen, dass hier ein Preiskampf auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird und finanzielle Aspekte über Patientenbedürfnisse gestellt werden.

Des Weiteren verweisen wir auf die Stellungnahme der wissenschaftlichen Fachgesellschaft Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zum IQWiG-Bescheid vom 06.12.2012 (5) und zum Entscheid des G-BA vom 21.2.2013 (6).

27.02.2013 

 

Prof. Dr. med Thomas Danne
Vorstandsvorsitzender
diabetesDE- Deutsche Diabetes-Hilfe

Priv.-Doz. Dr. Christian Berg
stellv. Vorstandsvorsitzender
Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) 

Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost
Vorstand und Leiter Ressort Wissenschaft
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe 

 

 

Quellen:

  1. http://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/diabetesde_bezieht_stellung/politische _stellungnahmen/nutzenbewertung_von_linagliptin_durch_den_g_ba_31212/
  2. http://www.g-ba.de/downloads/39-261-1654/2013-02-21_AM-RL-XII_Linagliptin.pdf
  3. Amtsblatt der Europäischen Union vpm 26.8.2009, L 223/33: Richtlinie 2009/113/EG DER KOMMISSION vom 25. August 2009 zur Änderung der Richtlinie 2006/126/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über den Führerschein, Anhang III, 2. Nummer 10 „Zuckerkrankheit“.
  4. Gallwitz B, Rosenstock J, Rauch T, Bhattacharya S, Patel S, von Eynatten M, Dugi KA, Woerle HJ. 2-year efficacy and safety of linagliptin compared with glimepiride in patients with type 2 diabetes inadequately controlled on metformin: a randomised, double-blind, non-inferiority trial. Lancet. 2012;380(9840):475-83
  5. http://www.deutsche-diabetes- gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/Stellungnahme_DDG_IQWiG_ 2012_12_06.pdf

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/stellungnahmen/stellungsnahme- detailansicht/article/stellungnahme-der-ddg-zur-nutzenbewertung-von-linaglitpin- durch-den-gemeinsamen-bundesausschuss- gba.html?cHash=0943a0f7f77ac15d9ae6df3d4dd0710c




Neue Praxisempfehlung zur diabetischen Neuropathie

Deutsche Diabetes Gesellschaft aktualisiert Praxisempfehlungen

Berlin – Die Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erscheinen in diesem Jahr mit einem neuen Kapitel zur diabetischen Neuropathie. Darin erläutern die Autoren unter anderem Maßnahmen, mit denen die Schmerzen einer diabetesbedingten Nervenschädigung wirkungsvoll verringert werden können. Darüber hinaus haben Experten die Kapitel „Diabetes und Schwangerschaft“ sowie „Gestationsdiabetes mellitus“ überarbeitet. Die Praxisempfehlungen erscheinen jährlich in der Zeitschrift „Diabetologie und Stoffwechsel“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) und richten sich vor allem an praktisch tätige Diabetologen aber auch Allgemeinmediziner, Neurologen, Schmerztherapeuten und Gynäkologen. Interessierte können die Praxisempfehlungen ebenfalls im Internet abrufen.

„Die Praxisempfehlungen sind eine nützliche Hilfe für die praktische ärztliche Tätigkeit“, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Sie vermitteln den neuesten Stand in Diagnostik und Therapie des Diabetes und seiner Folgeerkrankungen für jedes Lebensalter.“ Als Grundlage dienten die evidenzbasierten Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft und die evidenzbasierten nationalen Versorgungsleitlinien.

Nach längerer Unterbrechung konnte in diesem Jahr erstmals wieder eine Praxisempfehlung zur Neuropathie, einer diabetesbedingten Nervenschädigung, aufgenommen werden. „Etwa 13 bis 26 Prozent der Menschen mit Diabetes weisen eine schmerzhafte Neuropathie auf“, erläutert das Autorenteam um Professor Dr. med. Dan Ziegler vom Institut für Klinische Diabetologie, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Der Bedeutung dieses Themas angemessen, behandeln die Autoren auf zehn Seiten alle Aspekte der peripheren und autonomen diabetischen Neuropathien von Definition und Risikofaktoren über Screening, Basis- und weiterführende Diagnostik bis hin zu Differentialdiagnosen und Behandlungsstrategien. Die periphere Neuropathie macht sich häufig durch schmerzhafte Gefühlsstörungen an Armen und Beinen bemerkbar, bei der autonomen Neuropathie geraten etwa das Tempo des Herzschlags oder die Magen-Darm-Bewegungen aus dem Takt.

„Besonders hilfreich für den ärztlichen Alltag dürften die übersichtlich aufbereiteten Praxistools im Anhang des Neuropathie-Kapitels sein“, betont Stephan Matthaei. Hier geben die Autoren in Form von Fragebögen oder Tabellen kompakte Übersichten zu Diagnosekriterien, (neurologischen) Untersuchungsmethoden und Therapieoptionen. Als realistisches Ziel einer medikamentösen Therapie bei neuropathischen Schmerzen sehen die Autoren eine Schmerzreduktion um 30 bis 50 Prozent auf der visuellen Analogskala oder der Numerischen Ratingskala an, eine Verbesserung von Schlaf und allgemeiner Lebensqualität inklusive Arbeitsfähigkeit.

Für Gynäkologen und Geburtsmediziner sind die Abschnitte „Gestationsdiabetes mellitus (GDM) – Diagnostik, Therapie und Nachsorge“ sowie „Diabetes und Schwangerschaft“ von besonderem Interesse. „Diese Kapitel wurden aktualisiert und auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht“, berichtet Professor Dr. med. Monika Kellerer vom Zentrum für Innere Medizin I, Marienhospital Stuttgart und Vorsitzende der Leitlinien-Kommission.

Für den Aspekt Bluthochdruck empfehle die DDG die Orientierung an den Leitlinien der Deutschen Hochdruckliga oder der Deutschen Hypertonie-Gesellschaft, so DDG Präsident Matthaei.

Die Praxisempfehlungen sind einzusehen unter:

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/praxisempfehlungen.html




Leitfaden kontinuierliche Glukosemessung (CGM)

Das müssen Sie wissen, wenn Sie ein CGM beantragen

CGM steht für „Continuous Glucose Monitoring“, also „kontinuierliches Glukosemonitoring“. CGM-Systeme sind Geräte, die rund um die Uhr alle fünf Minuten den Glukosegehalt in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes messen. Sie bieten Diabetespatienten den Vorteil, die Stoffwechsellage nicht nur punktuell überprüfen zu können, sondern einen 24-Stunden-Überblick über den täglichen Blutzuckerverlauf zu erhalten. Mit der kontinuierlichen Glukosemessung können Arzt und Patient den Blutzuckerverlauf auch in der Nacht erkennen, Trends frühzeitig einschätzen und Unterzuckerung besser vermeiden. Das müssen Sie wissen, wenn Sie ein CGM beantragen wollen:

 

  1. Wie funktioniert ein CGM?

    Der geschulte Anwender sticht mit einer Setzhilfe einen kleinen Glukosesensor durch die Haut des Oberarms oder Bauchs, der dort bis zu sieben Tage liegen bleiben kann. Hinzu kommen eine kleine Elektronikeinheit („Sender“), die auf der Haut fixiert wird, und ein separates Anzeige- und Speichergerät („Empfänger“). Die Datenübertragung vom Messsystem zum Anzeigegerät, das die Größe eines Mobiltelefons hat, erfolgt per Funk. Bei direkter Kombination des CGM-Systems mit einer Insulinpumpe dient das Display der Insulinpumpe gleichzeitig als Anzeige der Glukosemessdaten. Einige CGM-Systeme kann nur der Arzt auslesen, andere Monitoring- bzw. Überwachungs-systeme bieten die Möglichkeit, die Glukosewerte in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes in Echtzeit anzuzeigen. Diese CGM-Glukosewerte entsprechen dabei nicht immer exakt den Blut-Glukosewerten. Bei schneller Änderung der Blutzuckerspiegels etwa nach einer Mahlzeit hinkt die CGM- Glukose um etwa 5 bis 25 Minuten hinterher. Das Gerät gibt bei Bedarf einen Warnalarm per Akustik- oder Vibrationssignal ab, sobald der Zielbereich verlassen wird und eine akute Stoffwechselentgleisung droht. Weitere Alarmfunktionen warnen sogar schon im Vorfeld vor einer absehbaren Hypo- oder Hyperglykämie. Somit kann der Anwender Komplikationen wie die Gefahr nächtlicher Hypoglykämien vermeiden oder reduzieren, indem er rechtzeitig Maßnahmen ergreift.

 

  1. Für wen kommt die kontinuierliche Glukosemessung in Frage?

Bevor ein CGM-System in Frage kommt, müssen alle anderen diabetologischen Therapieoptionen ausgereizt sein. Das schließt die intensivierte konventionelle Insulintherapie mit Mehrfach-Spritzen-Regime (ICT) sowie die Insulinpumpentherapie (CSII) ein.

Die Arbeitsgruppe CGM der Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie (AGDT) in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) hat auf Basis der aktuellen Studienlage die Indikationen für den praktischen Einsatz von CGM in Deutschland definiert. Demnach werden folgende medizinische Voraussetzungen („Indikationen“) für die Nutzung von CGM-System als relevant erachtet:

  • Hypoglykämien, d. h. häufige schweren Hypoglykämien (mit der Notwendigkeit von Fremdhilfe), schwere nächtlichen Hypoglykämien, nachgewiesene Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen
  • unbefriedigende Stoffwechselkontrolle, wenn trotz Nutzung aller zur Verfügung stehender Therapieoptionen (auch CSII), guter Compliance und Ausschluss schwerer psychologisch-psychiatrischer Störungen der angestrebte HbA1c-Wert nicht erreicht wird
  • vor/während Schwangerschaft mit unbefriedigender Stoffwechselkontrolle unter Einsatz konventioneller Therapieformen
  • Notwendigkeit von mehr als 10 Blutzuckermessungen täglich zur Erreichung des angestrebten Stoffwechselkontrollziels

 

Der Einsatz eines CGM-Systems ist nicht geboten bei („Kontraindikation“):

  • fehlender Bereitschaft zur Intensivierung des Therapieaufwandes, d. h. bei mangelnder Motivation und Compliance
  • Angst vor (oder „Neurotisierung“ durch) technischen Systemen und/oder mangelndem Vertrauen dazu
  • Alkohol- und/oder Drogenabusus
  • schwerwiegenden psychologischen/psychiatrischen Problemen, die nicht in gescheiterten Bemühungen um eine verbesserte Stoffwechselkontrolle begründet sind (z. B. Bulimie, Anorexie, Psychosen)

 

Wichtige weitere Voraussetzungen für die Nutzung von CGM-Systemen sind:

  • die professionelle Auswahl der Patienten durch das Diabetes-Team
  • gute Compliance
  • Ausschluss von Kontraindikationen
  • Ausschöpfung aller anderen verfügbaren Maßnahmen zur Stoffwechseloptimierung (auch CSII)
  • Teilnahme an CGM-Schulung und Training
  • Betreuung durch einen geschulten und CGM-erfahrenen Diabetologen mit Behandlungsteam
  • gegebenenfalls eine individuelle Erprobungsphase des CGM über einige Woche mit erfolgreichem Wirkungsnachweis

 

  1. Ist die kontinuierliche Glukosemessung eine Kassenleistung?

Bei den gesetzlichen Krankenkassen gilt die CGM als „Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode“ (NUB), deren Kosten nur im Einzelfall auf Antrag und nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) übernommen

werden. Der Antrag muss in der Regel mit umfangreichen Daten unterfüttert werden. Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Beantragung der Kostenübernahme ist das Vorliegen einer medizinischen Indikation zur Anwendung des CGM (siehe Punkt 2). Private Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel. Dabei genügt zur Beantragung häufig ein einfaches Rezept, das der behandelnde Diabetologe ausstellt.

 

  1. Wer kann ein CGM beantragen?

    Der Patient reicht den Antrag auf Kostenerstattung bei der zuständigen Geschäftsstelle seiner Krankenkasse ein.

 

  1. Wie gehen Sie bei der Beantragung einer Kostenübernahme vor,
    welche Unterlagen sind nötig?

    Formulieren Sie ein Anschreiben an die Geschäftsstelle Ihrer Krankenkasse, in dem Sie einen Antrag auf Kostenübernahme für ein CGM stellen. Begründen Sie darin, warum Sie ein CGM benötigen – hier können Sie auch kurz auf Ihre persönliche Situation eingehen, auf körperliche und seelische Belastungen, auf berufliche und private Lebensumstände. Abschließend verweisen Sie auf die Anlagen.

 

Dem Anschreiben sollten Sie folgende Unterlagen beifügen:

  • Rezept des Diabetologen, auf dem ein CGM verordnet ist
  • Kostenvoranschlag des Herstellers für das CGM
  • Gutachten des Diabetologen über die medizinische Notwendigkeit der Verordnung

Erläuterung: Das Gutachten des Diabetologen ist frei geschrieben und darf ein bis zwei Seiten umfassen. Daraus sollte hervorgehen, dass alle Therapiemaßnahmen ausgeschöpft wurden, z. B. regelmäßige Blutzucker-Messungen, nächtliche Blutzucker-Messungen, Teilnahme an Schulungen zur Therapieoptimierung (Diabetes, Insulinpumpe, Hypowahrnehmung). Unterzuckerungen unbedingt mit Werten im Blutzucker-Tagebuch nachweisen! Potenziell lebensbedrohliche Situationen, die diagnostiziert und dokumentiert sind, erhöhen die Chancen auf eine erfolgreiche Kostenübernahme. Das gilt auch für den Nachweis hoher HbA1c-Werte über 8,5 Prozent bei mit Compliance und Vorschädigungen etwa des Herzens oder der Nerven.

  • eventuell Kurzgutachten des Gynäkologen, warum mit dem CGM Folgeschäden für das ungeborene Leben vermieden werden können

Wichtig ist, dass alle Angaben nachvollziehbar dokumentiert sind und mit den Unterlagen übereinstimmen.

 

  1. Welche Erfahrungen liegen mit dem Antragsverfahren vor?

Einige Hersteller berichten, dass mehr als die Hälfte der CGM-Nutzer die Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet bekommen. Lehnen die Kassen eine Kostenübernahme ab, kommt es häufig zu Streitfällen, die vor dem Sozialgericht verhandelt werden.

 

7.   Was tun, wenn die Kasse eine Kostenübernahme ablehnt?

  • Im Falle einer Ablehnung der Kostenübernahme durch eine gesetzliche Kasse können Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Begründen Sie Ihren Widerspruch ausführlich. Überprüfen Sie dazu die Gründe für die Ablehnung durch die Kasse: Heißt es im Ablehnungsbescheid etwa sinngemäß „Der Nutzen von CGM ist nicht belegt und/oder die Studienlage ist nicht ausreichend“? In diesem Fall können Sie eine Studienübersicht beilegen. Begründet die Kasse ihre Ablehnung mit dem Hinweis, dass es sich bei dem CGM nicht um eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) handele, dass ein CGM nicht im Hilfsmittelverzeichnis enthalten sei oder keine positive Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorliege? Dann sollten Sie auf das Urteil des Sozialgerichts Detmold vom 1. Dezember 2010 verweisen (SG Detmold v. 01.12.2010, S 5 KR 325/09). Das Gericht stufte das CGM als Hilfsmittel eines 39-jährigen Typ-1-Diabetikers ein und verurteilte die Kasse zur Kostenübernahme.
  • Lehnt die gesetzliche Kasse Ihren Widerspruch ab, können Sie sich anwaltliche Hilfe suchen und innerhalb eines Monats Klage beim Sozialgericht einlegen.
  • Verweigert eine private Krankenkasse die Kostenübernahme, können Sie Beschwerde beim Ombudsmann des Versicherers einlegen. Weist der Ombudsmann die Beschwerde zurück, steht Ihnen der Klageweg offen.
  • Schließlich bleibt jedem Patienten die Möglichkeit, die Kosten für ein CGM selbst zu finanzieren. Dabei gilt: Alle Sensoren funktionieren in der Regel länger als angegeben. Experten haben errechnet, dass sich Tagestherapiekosten von etwa fünf Euro ergeben. Übrigens: Sie können auch nach dem Kauf des CGM bei der Kasse nachträglich eine Kostenerstattung beantragen!

 

  1. Wo gibt es Hilfe und weitere Informationen?
     
  • Es gibt Hersteller von CGMs, die Beratung und Unterstützung beim Antragsverfahren anbieten. Fragen Sie nach!
  • Das vollständige Konsenspapier der Arbeitsgruppe CGM der Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie (AGDT) in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) können Sie hier einsehen. Im Anhang finden Sie eine Übersicht über wissenschaftliche Studien.
  • Ulrike Thurm und Bernhard Gehr: CGM- und Insulinpumpenfibel, Kirchheim-Verlag 2011, 472 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-87409-509-9
  • Weitere Literaturhinweise
  • Mitglieder von DiabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe erhalten kostenlose Rechtsberatung bei Fragen rund um den Diabetes. Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie hier.

 

diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
Bundesgeschäftsstelle • Reinhardtstr. 31 •10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 201 677-0 •
info@diabetesDE.orgwww.diabetesde.orgwww.deutsche-diabetes-hilfe.de

                 

 




Schwerbehindertenrecht: Therapieaufwand nicht allein maßgeblich für den Behinderungsgrad

Schwerbehindertenrecht

Therapieaufwand nicht allein maßgeblich für den Behinderungsgrad

Menschen mit Diabetes müssen zum Erhalt eines Schwerbehindertenausweises erhebliche Einschnitte in die Lebensführung nachweisen

Damit Diabetiker den Schwerbehindertenstatus erhalten, müssen neben der Belastung durch hohen Therapieaufwand auch erhebliche Beeinträchtigungen im Alltag vorliegen: Menschen mit Diabetes können nach den einschlägigen Vorschriften den Schwerbehindertenstatus erhalten, wenn sie täglich mindestens vier Insulininjektionen benötigen, deren Dosis sie je nach Ernährung, Bewegung und Blutzucker selbst anpassen. Dieser Therapieaufwand allein reicht aber nicht aus, um den Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Zusätzlich müssen die Betroffenen nachweisen, dass sie durch erhebliche Einschnitte gravierend in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sind. In einer aktuellen Entscheidung ( B 9 SB 2/12 R, Urteil vom 25.10.2012) wurden diese zusätzlichen Voraussetzungen vom Bundessozialgericht nochmals bestätigt. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe rät daher Menschen mit Diabetes, im Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis die geforderten gravierenden Einschnitte in der Lebensführung möglichst detailliert zu belegen.

Um Benachteiligungen im Alltag auszugleichen, können schwerbehinderte Menschen berufliche und finanzielle Vorteile in Anspruch nehmen. Dazu gehören ein besonderer Kündigungsschutz, Zusatzurlaub, die Möglichkeit einer vorzeitigen Altersrente sowie Steuervorteile. Menschen mit Diabetes können die Feststellung des Schwerbehindertenstatus beim Versorgungsamt beantragen. Dort wird geprüft, ob die Voraussetzungen vorliegen.

Beeinträchtigung der Lebensführung entscheidend

Die Versorgungsmedizin-Verordnung lässt dabei jedoch durchaus Interpretationsspielräume zu. Nach dem Wortlaut der Vorschrift ist erforderlich, dass die Patienten durch erhebliche Einschnitte gravierend in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sein müssen. „Nicht selten wird irrtümlich behauptet, dass allein der hohe Therapieaufwand bei Diabetes für den Schwerbehindertenausweis ausreiche“, sagt Rechtsanwalt Oliver Ebert, Vorsitzender des Ausschuss Soziales der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Werden die zusätzlich bestehenden Voraussetzungen jedoch nicht nachgewiesen, dann wird der Antrag oftmals abgelehnt“, so Ebert weiter. Das Bundessozialgericht hat dies in einer aktuellen Entscheidung nun nochmals klargestellt: Allein der Aufwand für Messen und Spritzen reicht nicht aus, um als schwerbehindert anerkannt zu werden.

Voraussetzungen bei Typ-1-Diabetes gegeben

Zwar liegen die geforderten Voraussetzungen bei Menschen mit Diabetes Typ 1, insbesondere Kindern und Jugendlichen, meist vor. Doch „Fehler bei der Antragsstellung führen oftmals dazu, dass der für einen Schwerbehindertenausweis benötigte Grad der Behinderung nicht zuerkannt wird oder das Verfahren sich erheblich in die Länge zieht“, betont Oliver Ebert. Ein Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis sollte daher gemeinsam mit dem behandelnden Arzt gründlich vorbereitet und detailliert begründet werden. „Antragsteller sollten den Therapieaufwand über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten belegen und möglichst umfassend schildern, inwieweit sie durch den Diabetes in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sind“, rät der Jurist.

Weitere Informationen finden Interessierte in einer Informationsbroschüre mit vielen praktischen Tipps, Checklisten und den genauen Gesetzestexten zur Schwerbehinderung. Diese können sie bei diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe bestellen. Vollmitglieder der DDH-M erhalten die Broschüre kostenlos, für alle anderen beträgt die Schutzgebühr 2,00 Euro zzgl. Versandkosten. Informationen bieten darüber hinaus auch die Internetseiten www.diabetesDE.org sowie www.diabetes-und-recht.de.

(Quelle: Pressemitteilung diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013

P R E S S E M I T T E I L U N G

Zum Weltdiabetestag am 14. November 2012:

„Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013” von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe erschienen

Berlin Aktuell sind etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt. 90 Prozent leiden an Diabetes Typ 2, 300.000 an Diabetes Typ 1, davon 25.000 Kinder und Jugendliche. Der aktuelle Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2013 legt in seiner Bestandsaufnahme zum Weltdiabetestag am 14. November 2012 Fakten hierzu vor. Der jährliche Bericht beinhaltet die neuesten Zahlen und Entwicklungen zur Erkrankung Diabetes mellitus in Deutschland. Herausgeber ist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Wie viele Menschen erkranken jedes Jahr neu an Diabetes? Welche Fortschritte gibt es in der Therapie? Wie leben Kinder mit Diabetes? Was versteht man unter Schwangerschaftsdiabetes? Der Gesundheitsbericht Diabetes 2013 gibt alle wichtigen Antworten, Daten und Informationen rund um die Stoffwechselerkrankung. Dazu gehören unter anderem „Diabetesepidemie und Dunkelziffer“, „Prävention des Diabetes“ und „Versorgungsstrukturen, Berufsbilder und professionelle Diabetesorganisationen in Deutschland“.

Außerdem erläutern Experten die häufigsten Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes. In Beiträgen wie „Diabetes und Herzkrankheiten“, „Schlaganfall bei Diabetes“ und „Diabetes und Fußerkrankungen“ gehen sie darauf ein, wie häufig diese auftreten und wie sie behandelt beziehungsweise verhindert werden können. Auch „Psychologische Aspekte: Diabetes, Depression und Lebensqualität“ und „Medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ sind Themen der Veröffentlichung.

Mehrere medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften, Institutionen und Verbände unterstützen die Veröffentlichung. Der Bericht umfasst rund 212 Seiten und ist auf der Internetseite von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe kostenfrei als herunterladbare PDF-Datei oder gedruckt für 6,50 Euro zuzüglich Versandkosten beim Kirchheim-Verlag erhältlich.

Mehr Informationen im Internet:

Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013 kostenfrei als PDF-Datei:
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2013
Bestellung der Druckversion:

http://www.kirchheim-buchshop.de

 

Terminankündigung:

Weltdiabetestag

Sonntag, 18. November 2012, 10.00 bis 16.00 Uhr
Internationales Congress Centrum Berlin (ICC),  Neue Kantstraße / Ecke Messedamm, 14057 Berlin

http://weltdiabetestag.diabetesde.org/

Eintritt frei!




Bestmögliche Versorgung für Menschen mit Diabetes gefordert

Pressemitteilung
Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November 

12. November 2012, Berlin – Seit 2007 existiert der Weltdiabetestag, festgelegt in der UN-Resolution unter Generalsekretär Kofi Annan am 20. Dezember 2006. Seitdem wird weltweit am 14. November auf die Volkskrankheit Diabetes und ihre Folgeerkrankungen aufmerksam gemacht. Die selbstständige Betroffenenorganisation „Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes“ (DDH-M) nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf Defizite in der Versorgung zu verweisen, zum Beispiel die Erstattungsfähigkeit für das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM).  

In Deutschland leben aktuell mehr als sechs Millionen Menschen mit Diabetes, eine Steigerung von 38% gegenüber 1998 (RKI 2012). 300 000 Menschen leiden an Typ 1 Diabetes, der nicht mit Tabletten behandelt werden kann. Neben den Insulingaben gehören Blutzuckermessungen zum Alltag eines Diabetikers. Zwischen vier und acht Mal pro Tag messen Patienten mit Typ 1 Diabetes üblicherweise ihren Blutzuckerwert und passen die Insulindosis daran an. Bei dem kontinuierlichen Glukosemonitoring mit einem CGM-System misst eine ins Unterhautfettgewebe eingestochene Sensorelektrode bis zu 1400 Mal täglich den Glukosewert. Der Patient erfährt so, wie sich sein Zuckerspiegel im gesamten Tages- und Nachtverlauf verhält und wird alarmiert, wenn Unter- oder Überzuckerungen drohen. Dank dieser Information kann er Mahlzeiten, körperliche Aktivitäten und Medikation zugunsten eines optimal eingestellten Blutzuckerspiegels anpassen.

Nicht nur, dass die CGM die Lebensqualität für Betroffene deutlich erhöht: Die Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie (AGTD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) betont, dass klinische Studien gezeigt haben, dass bei einer ausreichenden Tragehäufigkeit der CGM-Systeme erhöhte Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c-Werte) effektiv gesenkt und die Häufigkeit von gefährlichen Unterzuckerungen (Hypoglykämien) verringert werden können. Trotzdem lehnen viele Kassen die Erstattung ab mit der Begründung, diese Leistung sei nicht im Hilfsmittelverzeichnis enthalten und die Studienlage wäre nicht ausreichend. 

„Für Typ 1-Betroffene mit einer Hypowahrnehmungsstörung und schweren Hypoglykämien oder einer instabilen Stoffwechsellage ist es nicht nachvollziehbar, dass Kassen die Erstattung erst mal blockieren. Jeder weiß doch, dass derart starke Blutzuckerspiegelschwankungen auf Dauer zu Folgeschäden führen. Und diese kosten unser Gesundheitssystem auf Dauer ein Vielfaches mehr als der Einsatz von CGMs bei Bedarf“, kritisiert Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der DDH-M die aktuelle Gesetzeslage. Des Weiteren erhöhe ein CGM auch die Lebensqualität der Betroffenen, da die Betroffenen kontinuierlich nach den Werten schauen können, was auch weniger auffällig sei, als öffentlich Blutzucker zu messen.

Um den Betroffenen den Antrag auf ein CGM zu erleichtern, bietet die bundesweite Selbsthilfeorganisation DDH-M nun eine Checkliste zur Erstellung eines Gutachtens auf ihrer Website an: www.ddh-m.de

„Wir müssen eine bestmögliche Versorgung für Menschen mit Diabetes in vielerlei Hinsicht erreichen, um möglichst viele Folgeerkrankungen zu vermeiden.“, ergänzt Twachtmann. Die DDH-M setzt sich daher zusammen mit der Gesamtorganisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und anderen Organisationen für einen Nationalen Diabetes Plan ein.         

Auf der zentralen Veranstaltung zum Weltdiabetestag am Sonntag, den 18.11.2012 werden die Vorteile des CGM in einem Vortrag mit dem Thema „Die kontinuierliche Glukosemessung – Was bringt sie?“ von Diabetesberaterin Ulrike Thurm um 14.30 Uhr – 15.00 Uhr in Saal 6 im Berliner ICC vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

 

Ihre Kontakte für Rückfragen:
Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes
Reinhardtstraße 31 ,10117 Berlin Tel.: +49 (0)30 201 677-10

info@ddh-m.de
www.ddh-m.de

Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) ist eine der großen Interessenvertretungen im Bereich Diabetes. Wir engagieren uns politisch für die Rechte und Nöte von Betroffenen und wirken dabei ganz eng mit unseren Partnerorganisationen diabetesDE, DDG und VDBD zusammen, um jeweils die größtmögliche Kompetenz aufbieten zu können. Daneben schaffen wir auch Öffentlichkeit für die Krankheit und die Probleme der Betroffenen damit.




Diabetes-Delegation trifft Bundesgesundheitsministerium

Basispapier zum Nationalen Diabetes-Plan offiziell vorgestellt

Berlin - Am vergangenen Freitag hat eine Delegation von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) sowie des Berufsverbandes der Niedergelassenen Diabetologen, des Hausärzteverbandes und der Selbsthilfeorganisationen Deutscher Diabetikerbund und Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) im Bundesgesundheitsministerium ihr gemeinsames „Basispapier zum Nationalen Diabetes-Plan“ vorgestellt. Mitarbeiter von vier Fachabteilungen nahmen kritisch Stellung und verteilten Hausaufgaben. Eine Fortsetzung der Gespräche ist geplant.

„Wir haben in Deutschland kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit. Wir benötigen einen politischen Auftrag, um die notwendigen Verbesserungen flächendeckend zu realisieren“, so Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Mit der Gründung von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe sei 2009 ein Neuanfang gemacht worden, mit dem Ziel, der chronischen Krankheit mehr Unterstützung durch die Politik zu verschaffen. „Unser Basispapier, auf das wir uns mit den anderen Organisationen geeinigt haben, ist ein erster wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer nationalen Strategie“, so Danne. Jetzt gehe es darum, die politische Umsetzung zu verhandeln.

„In den letzten Jahren hat sich die flächendeckende Versorgung des Diabetes schon deutlich gebessert, aber es gibt ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle. Die Neuerkrankungsraten steigen ungebremst und die Maßnahmen sind insgesamt nicht ausreichend, um einerseits eine Versorgung auf hohem Niveau sicherzustellen und andererseits eine Kostenexplosion zu vermeiden“, warnt Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes.

„Wir sind gebeten worden, die von uns angesprochenen Defizite detaillierter zu beschreiben“, berichtet Psychologe Dr. Bernd Kulzer, Vertreter der DDG und federführender Autor des Basispapiers. „Das ist ein konstruktiver Beginn für weitere Gespräche mit der Politik.“

(Quelle: Pressemitteilung diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Auto fahren und Hochleistungssport trotz Diabetes

Berlin – Seit einem Autounfall am Freitag, den 28. September 2012, liegt der Bundesligaprofi Boris Vukcevic mit schweren Verletzungen im künstlichen Koma. Ersten Vermutungen zufolge könnte eine mögliche Unterzuckerung des an Diabetes Typ 1 erkrankten Hoffenheimer Spielers die Ursache für den Unfall sein. Menschen mit Diabetes mellitus müssen auf auftretende Unterzuckerungen achten und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen verursachen Menschen mit Diabetes im Straßenverkehr nicht mehr Unfälle als Nicht-Diabetiker. Außerdem können auch sie Hochleistungssport wie Profifußball betreiben, wenn sie einige Dinge beachten. Darauf weist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hin.

Der Wagen des 22 Jahre alten Bundesligaprofis Boris Vukcevic kollidierte Ende September mit einem entgegen kommenden LKW. Die ermittelnden Behörden halten es für möglich, dass er aufgrund seiner Erkrankung an Diabetes Typ 1 während der Fahrt eine Unterzuckerung erlitten und deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat. „Sowohl bei einer Insulin- als auch bei einer Tablettenbehandlung bei Menschen mit Diabetes Typ 1 beziehungsweise Typ 2 kann es während einer Autofahrt zu Unterzuckerungen kommen“, sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Liegt der Blutzucker bereits bei Fahrtbeginn unter 70 mg/dl (4 mmol/l), besteht eine erhöhte Gefahr, dass der betroffene Fahrer plötzlich bewusstlos wird. Am häufigsten treten plötzliche Hypoglykämien hinterm Steuer auf, wenn Menschen mit Diabetes Mahlzeiten auslassen oder verzögern. Auch verstärkte körperliche Aktivität oder Alkohol führen zu stetig ansteigenden Fallzahlen.

„Das bedeutet aber nicht, dass Diabetiker ein allgemeines Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr darstellen“, betont Professor Danne. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Verkehrsteilnehmer mit Diabetes nicht häufiger, sondern eher seltener im Straßenverkehr auffällig werden oder Verkehrsunfälle verursachen. Wer bereits einen Führerschein hat, muss eine neu aufgetretene Zuckerkrankheit auch nicht bei der Straßenverkehrsbehörde melden. Jedoch gibt es Richtlinien für Fahrschüler und solche, die den Führerschein nach einem Entzug der Fahrerlaubnis neu beantragen. Dabei geht es vor allem darum, den Straßenverkehr nicht durch Unterzuckerungen von Betroffenen zu gefährden. Eine Hypoglykämie sollte daher jeder Diabetiker zuverlässig erkennen und beheben können. Darüber hinaus sollten Menschen mit Diabetes ein Blutzucker-Tagebuch führen und dieses immer bei sich haben. Sind diese Voraussetzungen gegeben, wird die Fahrerlaubnis für Pkw in der Regel erteilt. „Für gut geschulte Menschen mit Diabetes stellt dies in der Regel kein Problem dar“, so Professor Danne.

Menschen mit Diabetes haben eine umso günstigere Lebensqualität und -erwartung, je besser ihr Diabetes mellitus eingestellt ist. Regelmäßige körperliche Aktivität kann unter anderem dazu beitragen, Blutzucker-Werte, aber auch Blutdruck oder Blutfett-Werte zu verbessern. Grundsätzlich ist es auch trotz Diabetes Typ 1 möglich, sogar Hochleistungssport zu betreiben. Gewichtheber Matthias Steiner, Typ-1-Diabetiker seit seinem 18. Lebensjahr, gewann 2008 bei den olympischen Spielen in Peking Gold. Bei den diesjährigen Spielen in London tritt er wieder an. Auch der ehemalige professionelle Fußballtorwart Dimo Wache, Ex-Eishockey-Nationalspielerin Claudia Grundmann, die sechsfache Weltmeisterin im Kickboxen Anja Renfordt oder Sprinter Daniel Schnelting bewiesen bereits, dass Diabetes Typ 1 kein Hindernis für eine erfolgreiche Karriere im Leistungssport sein muss. Erfolgreich ausgeübter Leistungssport setzt Disziplin voraus, sowohl beim Sport selbst als auch in Bezug auf die Therapieanpassung. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Diabetes. Denn Sport beeinflusst unmittelbar den Blutzuckerspiegel: So müssen sie Insulindosis und Kohlenhydratzufuhr streng auf Trainingsumfänge und –belastung abstimmen, damit es nicht etwa zu einer Unterzuckerung kommt. Damit dies gelingt, messen Sportler mit Diabetes Typ 1 besonders häufig ihren Blutzucker. Nur bei einer guten Stoffwechseleinstellung sind Spitzenleistungen im Sport möglich.

Weitere Informationen finden Interessierte unter:

Regeln für Auto fahrende Menschen mit Diabetes
Leitsätze für den Straßenverkehr
Diabetes und Sport

(Pressemitteilung: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)




Verordnungsfähigkeit von Teststreifen für Typ 2 - Diabetiker

Am 1. Oktober 2011 trat die Änderung der Arzneimittelrichtlinie über die Verordnung von Harn- und Blutzuckerteststreifen für Typ 2-Diabetiker in Kraft. Seither fragen Betroffene immer wieder, unter welchen Umständen eine Verordnung noch möglich ist. Der Diabetologe Dr. Martin Lederle, Mitglied im Fachbeirat des Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) Landesverbandes NRW e. V. erläutert, was das in der Praxis bedeutet.

Der Beschluss, der dieser Richtlinie zugrunde liegt, wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) getroffen. Dieser entscheidet darüber, welche Leistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden dürfen. Alle Vertragsärzte sind an die Arzneimittelrichtlinie (AM-RL) gebunden. Danach sind Typ 2-Diabetiker, die nicht mit Insulin behandelt werden, grundsätzlich von der Teststreifenverordnung ausgeschlossen. „Grundsätzlich“ bedeutet rechtlich „im Regelfall“, von dem es Ausnahmetatbestände gibt.

Der Beschlusstext sieht Ausnahmen von dieser Regelung vor. Eine instabile Stoffwechsellage kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Dazu gehört beispielsweise auch eine Ersteinstellung oder Therapieumstellung auf orale Antidiabetika mit einem hohen Risiko für Unterzuckerungen, bei denen dies ausdrücklich in der Fachinformation mit einem deutlichen Hinweis auf eine erforderliche regelmäßige Überprüfung der Blut- und/oder Harnzuckerwerte vermerkt ist.

BMG stützt Verordnungsmöglichkeit

Diese Verordnungsmöglichkeit von Teststreifen in den beschriebenen Ausnahmefällen hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nach Prüfung des G-BA-Beschlusses bekräftigt, in dem es davon ausgeht, „dass die im Beschluss formulierten Ausnahmen von dem Verordnungsausschluss den in der Fachinformation entsprechender oraler Antidiabetika formulierten Hinweisen zur Selbstkontrolle von Blut- und/oder Harnzuckerspiegeln durch den Patienten Rechnung tragen“.

Die Menge der Teststreifen ist laut AM-RL auf eine Menge von „grundsätzlich“ bis zu 50 Stück „je Behandlungssituation“ begrenzt. Aber auch diese Einschränkung ist lt. Rechtsanwalt Oliver Ebert von juristischer Warte aus interpretierungsbedürftig. Eine Behandlungssituation ist zeitlich nicht mit einem Quartal gleichzusetzen und kann - bei nicht zufriedenstellendem Therapieverlauf des Patienten - eine weitere Behandlungssituation im gleichen Quartal nach sich ziehen.

Fazit für die Praxis

Aus Sicht des Diabetologen können Teststreifen für Typ 2-Diabetiker ohne Insulintherapie unter Berücksichtigung der Beschlussfassung der AM-RL dann verordnet werden, wenn ein Diabetes erstmalig manifestiert wird oder Hypoglykämie verursachende Medikamente verabreicht werden, eine akute Blutglucose-Stoffwechselentgleisung vorliegt oder der Patient auf eine andere Therapie umgestellt wird. Wer sein individuelles Therapieziel mit Medikamenten, die keine Unterzuckerung verursachen können, gut erreicht, so Dr. Lederle, brauche auch keine Teststreifen. ub

(Quelle: „Teststreifen: Was dürfen Sie verordnen?“, Diabetes-Forum 11/2011)

Foto: Dr. Martin Lederle




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