Kampagnenstart „Herzenssache Lebenszeit“

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Am 3. Mai 2019 startete mit einem Pressegespräch in Bochum die bundesweite Kampagne „Herzenssache Lebenszeit“. Zwei rote Aufklärungsbusse von Boehringer Ingelheim fahren künftig 100 Städte an und wollen über das Risiko von Herzerkrankungen aufklären. Im Diabetes-Info-Mobil des DDH-M Landesverbandes NRW e.V. konnten sich Interessierte auch auf ihr Diabetesrisiko testen lassen.
 
Die Kampagne begleitet die in Vorbereitung befindliche Gründung eines Kardio-Diabetes-Netzes in NRW. Ärzte – Hausärzte, Diabetologen und Kardiologen – sollen künftig eingehender kooperieren und das Risiko für Herzerkrankungen bei Diabetikern entsprechend therapeutisch begleiten. So ist es auch in den aktuellen Typ-2-Leitlinien vorgeschrieben.
 
Risiken ernst nehmen
 
Moderator Prof. Dr. Christoph Hanefeld (Klinikum Bochum) wies auf die enorme Häufigkeit von Diabeteserkrankungen, Schlaganfall und Herzschwäche hin. Folgeerkrankungen verursachen im Gesundheitssystem hohe Kosten. Die Diabetes-Dunkelziffer ist hoch. MdB Dietrich Monstadt, Schirmherr der Kampagne, vertiefte in seinem Grußwort die Zahlen und warnte vor dem vorhersehbaren „Diabetes-Tsunami“. Der Politiker wünschte sich eine umfangreichere Vermittlung von Diabeteskenntnissen in der Ärzteausbildung und eine Aufstockung der entsprechenden Lehrstühle. Prävention sollte eine größere Bedeutung erhalten und die Nationale Diabetesstrategie zügig umgesetzt werden. Auch eine Nationale Adipositasstrategie wäre drängend. Monstadt befürwortete zudem eine Zuckersteuer.
 
In der Expertenrunde wurde verdeutlicht, dass Diabetespatienten oft viel zu spät erkannt werden und generell ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall haben. PD Dr. Christos Krogias (Stroke Unit, St. Josef-Hospital Bochum) wies auf ein doppelt erhöhtes Schlaganfallrisiko hin. Dr. Michael Brinkmeier gab praktische Tipps zum Schlaganfalltest, damit Laien mögliche Schlaganfälle bei ihren Mitmenschen erkennen können, denn alle 12 Minuten geschieht ein Schlaganfall, alle 19 Minuten ein Herzinfarkt.
 
Sprechende Medizin stärken
 
Prof. Dr. Rüdiger Landgraf (Deutsche Diabetes Stiftung) und Dr. Juris Meier (Diabeteszentrum Bochum-Hattingen) verwiesen auf die vorhandene moderne Diabetesmedikation mit einer sehr guten Wirkweise auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Dies sei jedoch noch nicht ausreichend zu den Kardiologen durchgedrungen. Hier bedürfe es dringend einer interdisziplinären Herangehensweise. Die fehle vor allem in den Kliniken, so Dr. Hanefeld.
 
Prof. Landgraf forderte auch, den Check-up 35 häufiger als vorgeschrieben durchzuführen. Monstadt sprach sich bei dieser Untersuchung zudem für eine routinemäßige Bestimmung des HbA1c-Wertes aus. Ein Schlüssel für die Therapietreue sei in der Diabetologie jedoch die sprechende Medizin, betonte Prof. Landgraf. Dies werde seiner Meinung nach viel zu wenig thematisiert, auch unter Kollegen. ub