Eine Ära voller Taten und Erfolge für die Diabetes-Selbsthilfe

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Mit dem Ausscheiden von Martin Hadder aus dem DDH-M Landesvorstand NRW am 13. April 2019 endete nach 29 Jahren, von denen er 26 Jahre den Vorsitz bekleidete, eine Ära. Vorstandskollegin Ursula Breitbach zeichnete auf der Landesversammlung seinen Weg in der Diabetes-Selbsthilfe nach.
 
Martin Hadder wurde 1990 stellvertretender Landesvorsitzender und schon ein Jahr später Vorsitzender des Landesverbandes NRW, der damals zum Deutschen Diabetiker Bund (DDB) gehörte. Kurz darauf gründete er den „Wissenschaftlichen Beirat“, der noch heute unter dem Namen „Fachbeirat“ die Arbeit der Ehrenamtler im Vorstand mit Fachwissen unterstützt.
 
Diabetesversorgung stets im Blick
 
Besonders wichtig für Martin Hadder war es, etwas für die Versorgung der Menschen mit Diabetes zu erreichen, auch auf politischer Ebene. So sprach er 1992 im Bundesgesundheitsministerium vor, um die Vermeidung von Mehrfachuntersuchungen bei Chronikern voranzutreiben. Als man nicht reagierte, rief er die „Medizinische Befundmappe“ ins Leben, die jedem Mitglied zuteilwurde. Für den größten DDB-Landesverband begleitete Martin Hadder im gleichen Jahr Vertreter der Deutschen Diabetes-Union unter ihrem Vorsitzenden Heinz Jäger zu einem Gespräch mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer. Es sollte eine Ausnahme von der Zuzahlungsregelung für Teststreifen zur Selbstkontrolle bei Diabetikern erwirkt werden, was von Erfolg gekrönt war und wovon heute noch rd. 2 Mio. Betroffene profitieren. Mit dem Wissenschaftlichen Beirat erarbeitete er zudem eine Orientierungshilfe für Hausärzte über den Umfang von Teststreifen zur Selbstkontrolle, die bis in die Teststreifen-Verordnung der Kassenärztlichen Vereinigungen fortwirkte.
 
1997 startete der Landesvorsitzende erstmals einen Versuch zur Gründung einer Diabetes-Initiative, die alle an der Diabetesversorgung beteiligten Berufsgruppen an einen Tisch bringen sollte. Die Zeit schien noch nicht reif dafür. Erst 2012 wurde dieser Wunsch mit der Gründung der „Regionalen Initiative Diabetes NRW“ Wirklichkeit.
 
Zwecks besserer Öffentlichkeitsarbeit regte Martin Hadder eine Kooperation mit dem Kirchheim Verlag an. 1998 erschien die DDB-Mitgliederzeitschrift „subkutan“ erstmals in professioneller Aufmachung. Nach der Gründung von DDH-M initiierte er federführend die Mitgliederinformationen „DDH-M aktuell“ und „DIABETIKA – Neues von uns“.
 
Nachhaltige Projektarbeit
 
Gemeinsam mit seinem damaligen Vorstandskollegen Wolfgang Stemmer stieß Martin Hadder im Jahr 2000 das Pilot-Projekt „Prophylaxe am Fuß des Diabetikers“ an, das noch vor der staatlichen Ausbildung der Podologen medizinische Fußpfleger theoretisch und praktisch für die Arbeit an Diabetikerfüßen fortbildete. 2009 folgte das Projekt „Coping-Schulung“ in Kooperation mit dem Elisabeth Krankenhaus, Essen.
 
Nach der Gründung der DDH-M 2012 nutzte Martin Hadder den Neustart auch für die Arbeit des Landesverbandes. Federführend initiierte er mit verschiedenen Kooperationspartnern nachhaltige Projekte wie beispielsweise „Diabetesberatung auf Rädern“ (DBaR) und „Diabetes in der Schule“ (DidS). 2014 nahm er von der damaligen Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens für das DidS-Projekt den „SelbsthilfePreis NRW“ entgegen.
 
Diabetes-Info-Mobil, DMPs und Demo
 
Zwölf Jahre zuvor (2002) begann mit dem Diabetes-Info-Mobil eine Erfolgsstory in der Präventionsarbeit, die bis heute einmalig ist. Durch Screening-Aktionen und das DBaR-Projekt  mit dem Mobil wurde deutlich, dass eine hohe Dunkelziffer an Diabetikern existiert. Im Jahr darauf verfasste Martin Hadder eine Stellungnahme zum Disease Management Programm (DMP) und schrieb an die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eine Protestnote, die wesentlich zu einer Änderung der DMP-Gesetzgebung führte.
 
Auch 2006 kam es zu einer Protestaktion, weil das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sich gegen die Verordnung der Insulin-Analoga für Typ-2-Diabetiker aussprach. Der NRW-Landesverband organisierte die Demo in Köln für den DDB-Bundesverband. Im Ergebnis bewegten sich Industrie und Verhandlungspartner, so dass die Verordnung im Rahmen von Rabattverträgen wieder möglich war.
 
Politische Arbeit
 
Auch international empfahl sich der Landesverband NRW und war so als einziger Selbsthilfeverband auf der „European Association for Predictive, Preventive an Personalised Medicine“ (EPMA) und der PerMediCon, Kongressen für Personalisierte Medizin, vertreten.
 
Nach der Gründung von DDH-M ging es auch vor Ort politisch nachhaltig voran. Im Landtag NRW starteten erstmals Parlamentarische Frühstücksdialoge und Informationstage zum Thema Diabetes, bei denen sich der Landesverband zusammen mit seinen Kooperationspartnern einbrachte. Stellvertretend für den Bundesverband und im Namen des Landesverbandes NRW nahm Martin Hadder zudem an der Task Force Diabetologie 2025 teil, an deren politischem Positionspapier er für die Diabetes-Selbsthilfe mitwirkte.
 
Mit Diplomatie und Hartnäckigkeit
 
Als kritischer Querdenker, mit Leidenschaft, Fairness und einer großen Portion Diplomatie setzte Martin Hadder seine Ideen und Vorhaben mit Besonnenheit und einer gewissen Hartnäckigkeit in die Tat um. Er tat dies jedoch stets in Abstimmung und Absprache mit den Vorstandskollegen, Kooperationspartnern und allen jeweils Beteiligten. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist die interaktive und interdisziplinäre Fortbildungs- und Informationsveranstaltung „DIABETIKA 2018“, deren Planung bis hin zur erfolgreichen Umsetzung er über Jahre verfolgt hat.
 
Für seine Verdienste in der Diabetes-Selbsthilfe geehrt wurde Martin Hadder 2008 mit der Katsch-Medaille von der Deutschen Diabetes Gesellschaft und 2018 mit der Auszeichnung „Mitglied des Jahres“ von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. ub