Tätigkeitsbericht 2019

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Tätigkeitsbericht 2019 über die Arbeit im Landesverband der Deutschen Diabeteshilfe – Menschen mit Diabetes NRW e.V.
 
Leider ist die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, sich ehrenamtlich zu engagieren, weiterhin erheblich zurückgegangen. Auch die Bereitschaft zu einer Mitgliedschaft im Interessenverband hat durch den Einfluss der Informationsmöglichkeiten über die sozialen Medien stark nachgelassen. Dabei ist die Interessenvertretung in der Politik und bei den Institutionen eine wichtige und nicht zu unterschätzende Aufgabe der Selbsthilfe.

Nur ein Mitgliederstarker Verband ist in der Lage, berechtigte Forderungen auch mit Nachdruck einzufordern.
Als Einzelvertreter steht ein Interessenverband häufig auf verlorenem Posten. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir nur gemeinsam – Patientenverband und Akteure im Gesundheitswesen – ausreichend Einfluss nehmen können, um drängende Probleme in der Versorgung zu lösen. Defizite in der Ausbildung der Ärzte zum Krankheitsbild Diabetes, insbesondere der Fortbildung von Ärzten zum Diabetologen (DDG), lassen befürchten, dass eine gute Versorgung der Diabetiker für die Zukunft keinesfalls gesichert ist. Eine enge Zusammenarbeit / Kooperation mit diabetes DE, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) ist für den Landesvorstand verpflichtend, um erfolgreich die Interessen der Diabetiker vertreten zu können. Unterstützt durch einen Fachbeirat, in dem Vertreter aller Bereiche der Versorgung vertreten sind, ist der Landesverband in der Lage, auch ganz spezielle Fragen der Mitglieder kompetent zu beantworten.

Der Landesverband NRW vertritt nicht nur die Interessen der Mitglieder, sondern die Interessen aller Diabetiker. Durch die Zusammenarbeit mit dem deutschen Diabetes- Zentrum in Düsseldorf sind wir in der Lage, auch unsere Interessen in die Forschung mit einzubringen. Hier liegt ein Schwerpunkt in der Versorgungsforschung. Aber auch bei der Forschung neuer Arznei- und Hilfsmittel sowie bei der Digitalisierung werden wir verstärkt darauf achten, dass die Interessen der Betroffenen ausreichend Berücksichtigung finden. Die Digitalisierung in der Versorgung nimmt enorm zu und stellt viele Diabetiker vor weitere Probleme. Zu den Problemen in der Versorgung und zum Krankheitsbild sind häufig sehr unterschiedliche Stellungnahmen und Informationen veröffentlicht, die nicht immer für die individuellen Probleme der Betroffenen zutreffend sind. Wir informieren neutral, unabhängig und umfassend.
Der Landesverband NRW des DDH-M e.V. hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, allen Anforderungen als Interessenverband gerecht zu werden. In Selbsthilfegruppen haben Betroffene die Möglichkeit, sich vor Ort über das Krankheitsbild und die Versorgung zu informieren. Die gute Zusammenarbeit mit diabetesDE und gemeinsame Aktionen mit den Fachverbänden (DDG und VDBD ) haben dazu beigetragen, dass die Probleme der Diabetesversorgung auch in der Politik angekommen sind. Immer schneller werden Mitglieder über Veränderungen in der Versorgung informiert.
 
Erfolge der Zusammenarbeit:
 
Kampagne „Diabetes stoppen-jetzt“
Gemeinsam mit diabetesDE wurde die bundesweite Kampagne „Diabetes stoppen – jetzt“ weiterhin erfolgreich fortgeführt.
Die Hauptforderungen an die Politik sind:

  •  Bestmögliche Versorgung sichern
  •  Gesunden Lebensstil fördern
  •  Selbsthilfe stärken

Damit die Ziele auch erreicht werden können, fordern wir einen „Nationalen Diabetesplan“, den es inzwischen schon in 20 europäischen Ländern gibt. Die Kampagne war so erfolgreich, dass im neuen Koalitionsvertrag eine Diabetes Strategie aufgenommen worden ist.
 
Regionale Initiative Diabetes NRW (RID)
Bereits 2013 hat sich in NRW eine Regionale Initiative Diabetes NRW gegründet. In dieser Gemeinschaft arbeiten die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes, Landesverband NRW e.V. (DDH-M NRW e.V.), das Deutsches Diabetes Zentrum (DDZ), die diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe,  die pronova BKK, das Netzwerk Diabetischer Fuß e.V., die Novo Nordisk Pharma GmbH, die Berufsverbände der  diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) sowie Westfalen-Lippe (BdSWL) und  der Berufsverband niedergelassener Diabetologen (BVND) zusammen. Dabei soll über Defizite in der Versorgung beraten und Lösungsvorschläge hierzu entwickelt werden. Ein Erfolg der Arbeit der RID ist eine große Anfrage der SPD an die Landesregierung zur Versorgung der Diabetiker im Land NRW. Im Ergebnis wurde ein parlamentarischer Dialog mit gesundheitspolitischen Sprechern aller Fraktionen vereinbart und im Januar 2020 durchgeführt.
 
Regionales Innovations-Netzwerk (RIN) Diabetes
In 2019 ist es gelungen, die Regionale Initiative Diabetes NRW als Verein zu Gründen. Die Deutsche Diabetes – Hilfe, Menschen mit Diabetes, Landesverband NRW e.V. war eines der Gründungsmitglieder. Für den DDH-M NRW e.V. sind Herr Joachim Kortheuer aus Grevenbroich als stellvertretender Vorsitzender und Herr Norbert Kuster aus Bocholt als Kuratoriumsmitglied tätig. Als ein erster Schwerpunkt wurde eine Arbeitsgruppe Psychodiabetes gegründet, hier sind von dem DDH-M NRW e.V. Frau Sabine Härter aus Aachen und Herr Norbert Kuster aus Bocholt tätig. Ziel dieses Gremiums soll es sein, Vorschläge zur Verbesserung der Psychosomatischen Behandlung bei Diabetikern zu erarbeiten.
 
Diabetes-Info-Mobil
Das Diabetes-Info-Mobil, ein zu einem mobilen Labor mit Sofort- Diagnostik umgebauter Kleintransporter, klärt die Menschen vor Ort über Diabetes auf und bietet ein Screening an. Mithilfe eines Fragebogens wird ermittelt, welches Diabetesrisiko die Besucher haben. Bei einem hohen Risiko und / oder entsprechender Familienanamnese wird ein Blutzuckertest durchgeführt und der HbA1C-Wert bestimmt sowie Lipid Werte ermittelt. Seit 2014 verfügt der Landesverband über zwei gleichwertig ausgestattete Fahrzeuge. Ziel ist die frühzeitige Entdeckung einer unerkannten Diabetes-Erkrankung. Zugleich erhalten die Betroffenen Kontakte zu fachlichen Ansprechpartnern vor Ort.

In diesem Jahr haben wir ein neues Info Mobil angeschafft. Die Nachfrage nach einem Einsatz unseres Info-Mobiles steigt stetig weiter an.
In 2019 hat das Diabetes-Info- Mobil insgesamt 122 Einsätze gefahren, hierbei wurden 3969 Personen untersucht, von denen 1587 männlich und 2382 weiblich waren. Bei 196 Personen wurde ein Verdacht auf Diabetes-mellitus erkannt, die vorher hierüber noch keine Diagnose erhalten hatten. Das bedeutet, dass wir eventuell eine Dunkelziffer von 6,60 Prozent aufdecken konnten. Allein diese Zahl spricht dafür, dass Diabetes-Info-Mobil flächendeckend in ganz Deutschland einzusetzen.
 
DIDS Programm
Das seinerzeit durch Martin Hadder in Kooperation mit dem DDZ ins Leben gerufene Programm hat im Juli des Jahres 2019 das Landesgesundheitsministerium NRW auf den Plan gerufen, ein gemeinsames Projekt mit der AGPD ( Arbeitsgemeinschaft Pädiatrischer Diabetolgen ), der IKK Classik, der Deutschen Diabetes – Hilfe, Menschen mit Diabetes, Landesverband NRW e.V. und dem Landesgesundheitsministerium zu gründen. Dieses lautet nun „Diabetes in Kitas und Schulen“. Mit finanzieller Unterstützung der IKK Classik haben wir einen Film erstellen lassen, welche Erzieher*innen, Lehrer*innen und sonstigem Personal Lust auf eine Schulung zum Thema Diabetes machen soll.  Ebenfalls soll es im nächsten Jahr dazu eine große Pressekonferenz im Kölner Raum geben an der auch Herr Minister Laumann teilnehmen wird. Das Ministerium hat für das Jahr 2019 einen Betrag von 70.000 Euro und für 2020 einen Betrag von 150.000 Euro bereitgestellt. Dieses Geld wurde unter den Kooperationspartnern der AGPD und der DDH – M zugunsten dieses Projektes aufgeteilt.
 
Veranstaltungen:
Zusätzlich zu verschiedenen Diabetikertagen in den Regionen war der Landesverband DDH-M NRW e.V. auf dem Diabetestag am 07.09.2019 in Düsseldorf mit dem Diabetes-Info-Mobil vertreten. Der Düsseldorfer Diabetes – Tag wurde traditionsgemäß mit dem Universitätsklinikum Düsseldorf und dem Deutschen – Diabetes – Zentrum (DDZ), der Handwerkskammer Düsseldorf und dem Landesverband NRW der Deutschen Diabetes – Hilfe, Menschen mit Diabetes (DDH-M) durchgeführt. Ein weiterer Höhepunkt der Einsätze des Diabetes-Info-Mobiles war der Tag der offenen Tür im Bundesgesundheitsministerium in Berlin am 17. Und 18. August 2019. Hier war der Andrang so groß, dass nicht alle getestet werden konnten. Die Resonanz hat den Veranstalter dazu gebracht, uns gleich für das nächste Jahr anzufragen. Auch der Einsatz beim Weltdiabetes Tag in Berlin im Sony Center am 16. November 2019 war trotz Nässe und Kälte ein voller Erfolg. Die Veranstaltung wurde zum ersten Male in dieser Form im Sony Center durchgeführt.
 
Fazit: Der Patient im Mittelpunkt der Diabetologie
 
Forderungen der Selbsthilfe:

  • Diabetesbeauftrage in der Politik (Länder/Bund)
  • Mitwirkungs- und Stimmrecht für die Selbsthilfe in den verschiedenen Entscheidungsgremien in der Versorgung (z.B. G-BA, Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenkassen und anderen)
  • Nachhaltige und umfassende Fördermaßnahmen – institutionalisiert durch einen „Diabetes-Selbsthilfe-Förderplan“ – zum Aufbau professioneller, flächendeckender Selbsthilfe-Strukturen. Zudem sind weitere Anreize für ehrenamtliches Engagement und die Mitgliedschaft in der Selbsthilfeorganisation zu schaffen (Z.B. durch Bonuspunkte bei den Krankenkassen / Teilerstattung von Mitgliedsbeiträgen).
  • Bündelung der Selbsthilfe-Aktivitäten und -Verbände in einer bundesweiten Diabetes- Selbsthilfeorganisation, die professionell arbeiten kann und unter der Berücksichtigung der Lebenswelten der Betroffenen modern und zukunftsorientiert, d.h. auch digital, ausgerichtet ist. Regionale Untergliederungen müssen den dort gegebenen unterschiedlichen Interessen und Bestimmungen gerecht werden. Die Zusammenarbeit mit Fachverbänden (Ärzte/Berater u.a.) muss zur Stärkung des Mitgliederaufkommens beitragen.

 
 
Ehrenamtliches Engagement / Mitgliedschaft
Leider ist die Bereitschaft der Menschen in Deutschland, sich einer Selbsthilfegruppe oder dem Interessenverband anzuschließen, weiterhin rückläufig. Das erschwert den ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern, die Interessen der Diabetiker in der Politik und in den Gremien wirkungsvoll zu vertreten. Es sind daher verstärkte Anstrengungen erforderlich, um die Betroffenen zu erreichen.
Dementsprechend wurden auch die Mitarbeiter – Fortbildungen gestaltet. Folgende Themen wurden u.a. bei den Fortbildungen 2019 behandelt:

  • Der Diabetiker und seine Füße – Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten
  • Diabetes und Vorsorge – Wie kann ich Folgekomplikationen infolge von Diabetes   vermeiden?
  • Diabetes und Alkohol
  • Diabetes und Soziales -was gibt es Neues zu den Themen Beruf, Versicherung, Führerschein?
  • Digitale Medizin – Chancen für den Patienten

 
Interessenvertretung
Eine weitere, sehr wichtige Aufgabe auf Landesebene ist die Interessenvertretung bei der Gesetzgebung und den Institutionen, die über die Versorgung der Diabetiker im Lande entscheiden. Damit der Landesverband effektiv arbeiten und die berechtigten Ansprüche der Betroffenen wirkungsvoll einfordern kann, ist es erforderlich, dass eine große Anzahl Mitglieder dem Verband den Rücken stärkt. Mitgliederschwache Verbände haben kaum eine Chance, Ansprüche erfolgreich einzufordern.
Viele Projekte, Veranstaltungen und Aktivitäten könnten ohne Fördergelder und Spenden nicht durchgeführt werden. Der Landesverband NRW der DDH-M ist daher allen Förderern, die ihn im Jahr 2019 unterstützt haben, sehr dankbar. Besondere Unterstützung erfolgte durch:

  • die Pauschalförderung der Krankenkassen (57.000,00 Euro)
  • die Projektförderung der Krankenkassen (82.205,00 Euro)
  • Unterstützung und Spenden  (32.660,00 Euro)

 
Zweckgebundene Spenden

  • für das neue Diabetes – Info – Mobil (10.000,00 Euro)
  • Für den Gesundheitstag in Dormagen (1.700,00 Euro)

 
 
Fazit:
Auch im Jahre 2019 konnte der Landesverband NRW wieder viele Projekte begleiten oder neue einrichten. Mit vereinten Kräften haben wir es geschafft, uns Gehör sowohl in der Politik als auch bei den Institutionen und Verbänden zu schaffen.
Wir leisten unsere Arbeit ehrenamtlich. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und alle (ehrenamtlichen) Mitarbeiter*innen sich in diesem Sinne auf den Weg machen, dient es dem Wirken des Landesverbandes zum Wohle der Betroffenen und der gegenseitigen Unterstützung aller im Verband ehrenamtlich Aktiven. Der Landesvorstand bedankt sich daher für die im Jahr 2019 geleistete gute Zusammenarbeit und das ihm entgegengebrachte Vertrauen.
 
Duisburg, im April 2020
 
gez. Norbert Kuster
Landesvorsitzender